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Ökologie und Design

 

 

Michael Lange

Die Wirklichkeiten von Château Future

 

Was die Architekten nicht geschafft haben in den letzten Jahrzehnten DDR - die politische Entwicklung brachte es mit einem Schlag: das Ende des eindimensionalen Plattenbaus. Das Gefühl, der Einfallslosigkeit und den bautechnologischen Zwängen endlich entwischt zu sein, wurde weltweit schon Jahrzehnte früher gefeiert. Die Wohnungsfrage hingegen ist geblieben - selbst in den Ländern des Altreiches wird von einem Bedarf von 1 Million Wohnungen gesprochen. Die Notwendigkeit, schnell und wirtschaftlich Wohnungen bauen zu müssen, zwingt zu einer neuerlichen Prüfung der Ansätze industrialisierten Bauens mit Fertigteilen, das ja unter dieser Zielstellung begonnen hatte. Grünbeflaggte Aversionen und pauschale Verdammungsurteile etwa gegen den Baustoff Beton haben sein Vordringen in Fundamente und andre nicht offensichtliche Konstruktionsbereiche nicht behindert. Er gehört zur Substanz der Moderne. Neubau oder Sanierung, Enten oder dekorierte Schuppen - die Erfahrung lehrt, daß die Wahrheiten zur Baupolitik ohnehin alle zehn Jahre wechseln. Wer sich nicht ständig von einer Mode in die nächste jagen lassen möchte, muß als Architekt etwas für den kulturvollen Umgang mit dem Jahrhundertbaustoff Beton leisten. Statt den Moden hinterherzuhecheln sind die Ansätze des industrialisierten Bauens kritisch aufzuheben. Ein Beispiel dafür sind die Projekte und Bauten der dänischen »Arkitektgruppen i Aarhus«, einem inzwischen über mehrere Städte verzweigten Verbund von 65 Mitarbeitern. Wie in einem Fokus sind hier architektonische Motive der Moderne zusammengezogen: die unabhängige Stütze- Deckenkonstruktion Le Corbusiers, die Transparenz von Innen und Außen, eine fließende Raumauffassung, die sozialbezogene Ästhetik, sowie Flexibilität, Mobilität, Standardisierung und Herausforderung industrieller Herstellungsmöglichkeiten. Beim Anblick der Bilder mag man einwenden, daß all dies nicht neu sei - nicht die Terrassen, nicht die strenge Zurücknahme in der vertikalen Raumbegrenzung, nicht das Bauprinzip, nicht die Flächenökonomie bei gleichzeitiger sozialer Verdichtung und auch nicht die präzise Materialverwendung. Was an diesen unspektakulären Bauten fasziniert ist die feinsinnige und kluge Kombination des als »modern« Tradierten, ihre heitere Ausstrahlung. Die Lösungen sind nicht vordergründig von Verstand her entwickelt (»Ich tu' was für die Menschen!«), sondern entspringen der Spannung zwischen Aufgaben, Handwerkszeug und Technologie, die mit einer ausgeprägten ästhetischen Sensibilität bewältigt wurde. Am Beginn der Arbeiten von »Arkitektgruppen« stand die 1984 preisgekrönte Vision eines »château future«. Heute zählt das Büro zu den erfolgreichsten in Dänemark.

 

Das neue Etagenwohnhaus

Das dänische Wohnungsbauministerium war im Jahre 1984 Ausschreiber eines Wettbewerbs, der zur Erneuerung des industrialisierten Wohnungsbaus beitragen sollte. Zukunftsvisionen waren gefragt, jedoch wurden von den Wettbewerbsteilnehmern realistische Lösungen erwartet. Das neue Etagenwohnhaus sollte unter den aktuellen technischen und finanziellen Voraussetzungen realisierbar, aber auch auf dem Exportmarkt konkurrenzfähig sein.

 

Eine Zukunftsvision - »château future«

Schenkt man der vorherrschenden Meinung über die Entwicklung des Wohnungsbaus in Dänemark Glauben, so sieht die Zukunft nicht sehr rosig aus. Unser Bedarf an Städten und Siedlungen ist bereits gedeckt. Wir können eigentlich nicht mehr Wohnfläche bewohnen, als wir es schon tun, und werden es uns auch kaum leisten können. Es bleibt also nur die Erneuerung und Verbesserung der bestehenden Bausubstanz.

 

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