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Ökologie und Design

 

 

Walter-R. Stahel

Produktdauerforschung

 

Das Institut für Produktdauerforschung in Genf ist 1982 als gemeinnützige Organisation gegründet worden. Ziel des Instituts ist, die Integration zwischen Ökonomie und Ökologie durch das aufzeigen von neuen, auf einer Optimierung der Lebensdauer von Produkten beruhenden Wegen der wirtschaftlichen Entwicklung zu fördern. Das Problem der Lebensdauer von Produkten und Dienstleistungen hängt mit mehreren Problemkreisen zusammen
- Rohstoffausbeutung und Abfallberg;
- Einsatz von Energie und Facharbeit;

- nutzungsrelevante Innovation und Forschung;
- Integration von Produktion und Dienstleistungen.
Die drei Projektleiter des Instituts, Dr. Max Börlin, Prof. Orio Giarini und Walter R. Stahel, arbeiten gemeinsam an den Projekten des Instituts und unabhängig vom Institut als Experten auf ihren Fachgebieten; Auftraggeber sind Regierungsstellen, Organisationen und Firmen auf vorwiegend europäischer Ebene.

1. Substitution durch Arbeit
Die Strategie der Dauerhaftigkeit war nicht eine geniale Eingebung, sondern die Schlußfolgerung einer Studie, die wir vor fünfzehn Jahren für die EG-Kommission gemacht haben zum Thema: »Das Potential, Energie durch Arbeit zu ersetzen«. Ziel der Studie war, Arbeitsplätze zu schaffen und Energie zu sparen. Das war damals relativ sinnvoll, unserer Ansicht nach, weil es Arbeitslose und Energieprobleme gab.
Es gibt nämlich Möglichkeiten, mikro- und makroökonomisch Energie durch Facharbeit zu ersetzen, indem man die lineare Konsumgesellschaft in Schlaufen verwandelt. Im Prinzip gibt es zwei mögliche Schlaufen:
- die Wiederverwendung von Gütern - das ist die kleine Schlaufe -, also Wiederverwendung, Reparatur, Wiederinstandsetzen, Hochrüsten von bestehenden Gütern;
- und die Wiederverwendung von Rohstoffen, also Recycling, stoffliches Recycling. Der Unterschied zwischen beiden ist eine ganz einfache Regel: je kleiner die Kreisläufe sind, desto höher die Wirtschaftlichkeit. Damit haben sie auch eine Erklärung, wieso das SERO-Recycling-System der Ex-DDR jetzt geschlossen wurde. Recycling ist eigentlich nie wirtschaftlich, aber es stört uns wenig, weil es den großen Vorteil hat, daß wir uns nicht ändern müssen und bestehende Prozeßtechnologien weiterverwenden können. Wollen wir hingegen Güter wiederverwenden, müssen wir unsere Einstellung ändern, müssen andere Technologien entwickeln. Damit können wir zwar mehr Geld verdienen, aber wir ändern uns ja nicht gerne.
Außerdem bewirken diese Strategien der Nutzungsdauer-Verlängerung eine Substitution von zentraler Fertigung durch lokale Werkstätten, das heißt anstatt einer Autofabrik in Japan haben sie Kfz-Werkstätten in Deutschland und sie vermeiden Abfall. Je länger die durchschnittliche Lebensdauer eines Produktes ist, desto weniger Abfall (prozentual pro Lebensjahr gerechnet) entsteht in Produktion und Entsorgung. Und es gibt durch die längere Nutzung weniger Verpackungsabfall, weniger Transport-Umweltbelastung.

Ein ganz einfaches Beispiel: mein eigenes Auto. Es ist ein japanisches Auto, einundzwanzig Jahre alt, zweihunderttausend Kilometer gefahren. Nach zehn Jahren beträgt der Kaufpreis nur noch 57%, die lokalen Arbeitskosten machen 19% der gesamten Ausgaben für Ankauf, Unterhalt und Reparatur aus. Nach zwanzig Jahren hat der Kaufpreis nur noch einen Anteil von 31%, die lokalen Arbeitskosten betragen jetzt 36% der gesamten Ausgaben.
Dadurch, daß ich das Auto nach zehn Jahren nicht weggeworfen und durch ein neues ersetzt, sondern es weitergenutzt habe, ist in den zweiten zehn Jahren ein bedeutend größerer Aufwand an Facharbeit eingesetzt worden. Dafür aber keine neuen Materialien, keine Energie. Wenn sie noch genaue Zahlen wissen wollen: Lassen sie Ihr Auto nach zehn Jahren wieder Instandsetzen, statt es fortzuwerfen, so sparen sie damit pro Nutzungsjahr 42% Energie und brauchen 56% mehr Facharbeit.
Auf die DDR bezogen hieße das: Reißen sie keine Häuser ab, setzen sie die alten wieder Instand. Damit schaffen sie Arbeitsplätze, brauchen weniger Material und Energie.

2. Strategie der Dauerhaftigkeit und der Nachhaltigkeit
Was ist an dieser Strategie im Gegensatz zu den Schlaufen so verschieden? Es gibt eigentlich nur zwei Unterschiede: Der erste ist, daß man in der volkswirtschaftlichen Optimierung den Faktor Zeit einführt (wenn sie sich erinnern, was Heisenberg und Einstein mit der Physik angestellt haben, dann wissen Sie, daß das ganz einfach klingt und dann sehr kompliziert wird). Der zweite ist, daß Sie eine mehrfache Optimierung erbringen müssen (die heutige Volkswirtschaft hält einen Faktor konstant und optimiert den anderen in dem Glauben, man könne nicht zwei Faktoren gleichzeitig optimieren).

 

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