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form+zweck 11+12
Reparatur, Zoo, Art Déco

: Mark Tilden

Die wilden Roboter räumen auf.

 

Weil der Mensch sich für das klügste Wesen hält, sollen auch seine Helfer und mechanischen Replikate über Intelligenz verfügen, ja, Ziel ist es, sie möglichst noch klüger, noch versierter, noch raffinierter im Speziellen zu machen, und sich in diesen Selbstübertrumpfungen erst so recht erfüllt zu finden. Mark Tilden hingegen hält Hirnlosigkeit für die wirklich wegweisende Errungenschaft bei der Robotergeneration. Erst die Abrüstung künstlicher Intelligenz mache die robotics zum Flicken der Schäden brauchbar, die der Kreativitätswahn des Menschen der Erde bereits zugefügt hat.


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Befassen Sie sich schon lange mit Robotern?


Tilden

Schon immer. Meine erste Roboterpuppe bestand aus Holzabfällen, mit sechs Jahren baute ich aus dem Metallbaukasten eine Rüstung für unsere Katze und seither bastle ich an Erfindungen. In den fünfziger und sechziger Jahren erwartete man viel von Robotern. Die wirkliche Geschichte der Robotertechnik begann 1939 als der neuzehnjährige Isaac Asimov auf die Idee des Positronengehirns kam. Als der Computer auftauchte, schien der Roboter im Haushalt zum Greifen nahe zu sein. Darauf lief es ja wohl hinaus, jeder verlangte nach einer Technik, die man mit einem Tritt dazu bringen konnte, einem das Leben zu erleichtern. Das aber ist nicht passiert. Die Leute meinten, und die meisten glauben daran wohl auch noch heute, daß ein richtiger Roboter eine Art Gedächtnis voraussetzt. Allerdings brachte die künstliche Intelligenz nicht die versprochenen Resultate.


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Wo standen Sie denn in dieser Sache?


Tilden

Auch ich habe angenommen, die Herstellung eines Roboters erfordere gleichzeitig die Schaffung von etwas Geistigem, Intelligiblem. Als ich 1982 versuchte, mir einen Roboter-Butler mit eingebautem Staubsauger zu bauen, verwendete ich einen 68 000-Prozessor und einen Vier-Megabyte-Speicher. Völlig konventionelle Technik. Drei Monate habe ich mit diesem verdammten Ding zugebracht. Am Ende wurde ich immer frustrierter. Ich hatte mich strikt an die Asimovschen Roboterregeln gehalten, die da lauteten: Schütze Menschen, gehorche Menschen, dann sorge für Dich selbst!. Das aber gab dem Roboter einen so unglaublichen Verfolgungswahn in bezug auf alles um ihn herum, daß er sich bestenfalls von einem wegbewegte, wenn man in seine Nähe kam. Es war zum Heulen. Ich kam mitten am Tag nach Hause, und das verdammte Ding ging tapp-tapp-tapp in die Ecke und versteckte sich vor der Katze. Ähnliche Geschichten sind in so gut wie jedem College und jeder Universität in der ganzen Welt passiert, von Japan bis Moskau. Egal wie groß die Computer waren, simple Probleme brachten sie dazu, sich auf ihre mechanischen Ärsche zu setzen. Das änderte sich für mich im Oktober 1989, als mir ein Vortrag von Rod Brooks vom MIT unter die Augen kam. Er beinhaltete genau den Hinweis, der mir fehlte: Vergiß das Gehirn, baue etwas mit einfachen stimulus-response-Eigenschaften. An diesem Abend dachte ich auf dem Heimweg darüber nach, wie stark man diese Technik tatsächlich minimieren könnte. Brooks regte die Schöpfung eines Wesens ohne Gedächtnisspeicher an. War aber ein solches Wesen überhaupt realisierbar? Es geht.


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