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form+zweck 11+12
Reparatur, Zoo, Art Déco

: Monika Fecht

L'exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes. Paris 1925 Teil II: Die Pavillons

 

Der Begriff Art Déco geht auf die Exposition Internationale des Art Décoratifs et Industriels Modernes im Jahre 1925 zurück. Mit dieser Ausstellung verfolgte Frankreich das Ziel, verlorene Märkte auf dem Sektor der Dekorationsindustrie wiederzugewinnen - mit Hilfe der Schaffung und Verbreitung eines modernen französischen Stils. Monika Fecht hat die wechselvolle Entstehungsgeschichte dieser Ausstellung recherchiert (siehe form+zweck 910/1994) und beschäftigt sich im folgenden zweiten Teil mit ausgewählten Pavillons auf dem Außengelände der riesigen Schau.

Jedes teilnehmende Land - Deutschland war ausgeschlossen - baute für seine Exponate einen eigenen Pavillon. Wenngleich internationales Kunstgewerbe versammelt war, repräsentierte vor allem Frankreich: Ateliers einzelner Haute-Couture-Ensembliers, Unternehmen, Städte und Institutionen errichteten sich palastartige Bauten.

Mitten im Paris des Jahres 1925 waren die Kulissen eines sechsmonatigen Theaterstücks zu sehen, ‹aus kurzlebigen Konstruktionen, die dazu bestimmt waren, Bau- und Stuckunternehmen zu bereichern›. Letztlich bejubelt wurden nicht die Paläste, sondern zwei Hütten - Le Corbusiers Pavillon Esprit Nouveau, sein Serienwohnungs-Experimentalbau, sowie der Werbekiosk der Sowjet-Russen.


Machen wir nun einen Rundgang über das Ausstellungsgelände und betrachten einige französische und ausländische Pavillons.


Pavillon von Italien

Der italienische Pavillon (Bild 49) befand sich im Anschluß an das Grand Palais auf der Hauptachse des Geländes. Man hatte ganz und gar nicht den Eindruck, daß der Bau des römischen Architekten Armando Brasini der Ausdruck einer modernen Architektur war. Die neue faschistische Regierung Italiens unter Benito Mussolini hatte den Minister Teofilo Rossi mit der Organisation der italienischen Sektion beauftragt. Dessen Absicht war, »inmitten in der Phantasie des 20. Jahrhunderts an den Stil der Etrusker und Korinther zu erinnern, die die Regeln der Proportion beherrschten.« »Auf der Halbinsel, wo man keine kühnen Verwirklichungen auf industriellem Gebiet fürchtet (das Autodrom, das auf dem Dach der Fiat Fabrik eingerichtet wurde, ist der Beweis), hat der Faschismus einen Kult für die robusten Ansichten der romanischen Konstruktionen herausgefordert; sie werden als konkrete Übertragung der italienischen Idee angesehen«. Das Kapitell des monströsen, antikisierenden Bauwerks trugen massive Säulen, über der schweren Tür befanden sich zwei allegorische Figuren. Die Zentralhalle des Pavillons beherrschte die große Figur Benito Mussolinis, die der Bildhauer Adolphe Wildt in Bronze gegossen hatte.


Pavillon du Tourisme

Zwischen dem Grand Palais und dem Ehrenportal lag der Pavillon du Tourisme (Bild 48) gelegen. Der Architekt dieses spektakulären Baus war der Holländer Robert Mallet-Stevens. Seiner Ansicht nach war die Architektur »eine im wesentlichen geometrische Kunst. Der Kubus ist die Basis der Architektur, der rechte Winkel eine Notwendigkeit... Der Grund dafür, daß sich die neue Architektur durchsetzen muß, ist unser unbedingtes Bedürfnis nach einer Ästhetik, die unserem jetzigen Leben entspricht... Einheitliche Flächen, scharfe Kanten, klare Kurven, poliertes Material, rechte Winkel; Klarheit, Ordnung. Das ist das logische und geometrische Haus von morgen.« Zwar hatte die Ausstellungsleitung den Ausschluß der Architekten der De Stijl-Gruppe beschlossen, gegen den viele Künstler mit ihrer Unterschrift protestiert hatten, aber Mallet Stevens verfügte über gute verwandtschaftliche Beziehungen zu M. Paul Léon, einem der wichtigsten Organisatoren. Über dem Eingang waren drei parallelgesetzte Schutzdächer angebracht, die starke Schatten warfen. Ein Turm aus zwei kreuzförmig ineinandergeschobenen dünnen Stahlbetonplatten über dem Eingang trug in 36 m Höhe eine Uhr. Der kubische Ausstellungsraum lag hinter dem Turm, belichtet durch eine lange, horizontal gelegene Glasdecke. An den Wänden zog sich bandförmig ein Flachrelief der Brüder Martel entlang, mit kubistischen Autos, Lokomotiven, Flugzeugen und Ozeandampfern. Auf den horizontalen Glasfenstern, die Barillet entworfen hatte, waren Städte, Schlösser und Kathedralen des Landes zu sehen. Die Möblierung und Beleuchtung des Pavillons führten Francis Jourdain und Pierre Chareau aus, beide kann man zu den modernen Künstlern zählen.

 

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