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form+zweck 11+12
Reparatur, Zoo, Art Déco

: Norbert Mutschmann

Schienenbus. Gestaltungskonzeption zur Rekonstruktion des Wagenparks der Karsdorfer Eisenbahngesellschaft

 

»Reparaturwerkstätten«, die auch so heißen, wurden für die Eisenbahn erfunden. Keine Maschine zuvor war so komplex wie die Lokomotive. Bis heute werden Züge nicht einfach ausrangiert, sondern wegen der hohen Kosten neuer Waggons repariert oder umgebaut. Der folgende Entwurf beschreibt den Umbau eines Schienenbusses der Hohenzollerschen Landesbahn aus den fünfziger Jahren zur Wiederverwendung für eine private Regionalbahn im neuen Bundesland Sachsen-Anhalt und, worin sich dieses Gestaltungskonzept von den als Vorzeigebeispiel gehandelten Rekonstruktionsentwürfen für den Interregio unterscheidet.

 

Die Aufgabe bestand im Umbau von Trieb- und Steuerwagen für eine Privatbahn.

1993 legte die Karsdorfer Eisenbahngesellschaft, ein mittelständisches Unternehmen in Sachsen-Anhalt, ein Übernahmekonzept für die Unstrutbahn vor.

Die 56 km lange, landschaftlich äußerst reizvolle Eisenbahnstrecke verbindet die »regionalen Zentren Naumburg, Nebra und Artern, die Städte Freyburg, Laucha und Roßleben. Karsdorf ist ein industrielles Zentrum der Region mit einer Vielzahl von kleinen und großen Betrieben. (...)«.

Der heutige Personenverkehr auf der Unstrutbahn ist gekennzeichnet durch eine geringe Zugdichte und überalterte Waggons. Nur noch wenige Berufspendler benutzen die Bahn. Der schlechte Auslastungsgrad der Züge zeugt davon.

Die Karsdorfer Eisenbahngesellschaft bietet an, den Schienenpersonenverkehr im Auftrag des Landes, der Kommunen oder anderer Interessenten bedarfsgerecht durchzuführen, mit Taktzeiten von 30 und 60 Minuten und abgestimmt auf die Fernverbindungen. Sie plant neue Haltepunkte zur Verlagerung des Schüler- und Ausbildungsverkehrs von der Straße auf die Bahn sowie Eisenbahntouristik in Form von Sonderfahrten entlang der Weinstraße zu den Burgen und Schlössern der Region.

Dazu sollen einige Bahnhöfe zu Dienstleistungszentren mit Reisebüro (privater Fahrkartenverkauf), Post, Bank, Kiosk, Touristeninformation, Fahrradstation, Bootsverleih (einschließlich Rücktransport per Bahn), Café/Gaststätte und Taxizentrale ausgebaut werden.

Für ihre ehrgeizigen Pläne erwirbt die Karsdorfer Eisenbahngesellschaft 12 Trieb- und Steuerwagen, gebraucht, aus dem Bestand des Hamburger S-Bahn-Netzes, zu einem Restwert von DM 8000,-. Für die technische und gestalterische Erneuerung der Fahrzeuge wurde von der Karsdorfer Eisenbahngesellschaft ein Kostenrahmen von 500 TDM veranschlagt - ein Bruchteil der Anschaffungskosten eines neuen Fahrzeuges.


Schienenbusse

Kurzstrecken im Nahverkehr werden schon lange mit Dieseltriebwagen bewältigt. In Deutschland wurden diese »Schienenbusse« bereits Ende der zwanziger Jahre eingesetzt. Ein Erlebnis dabei ist der ungewöhnliche Panoramablick aus dem Steuerwagen, der sonst wohl nur Straßenbahnnutzern vorbehalten ist. Man sitzt eng, 5 Personen auf einer Wagenbreite auf 2er und 3er Bänken. Erstaunlich heute ist der offene, helle Raumeindruck der leeren Waggons. Die Rückenlehnen der Bänke reichen nur bis Nackenhöhe. Unterbrochen wird diese Offenheit und Großzügigkeit nur durch die rechteckige Kabine für ein WC und die optisch leichten, gläsernen Abtrennungen im Ein- und Ausstiegsbereich. Die Mitnahme von größeren Gepäckstücken erweist sich als beschwerlich.


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