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form+zweck 14

Zur Anpassung des Designs an die digitalen Medien

 

 

Carsten Schlegel

Das akustische Grabmal

 

Dieses Grabmal verwandelt Stätten der Verwüstung in klingende Plateaus. Ein High-Tech-Produkt insbesondere für Opfer der Hochtechnologie, deren sterbliche Überreste nicht zugänglich sind.

 

Ein High-Tech-Produkt, insbesondere für Opfer der Hochtechnologie, deren sterbliche Überreste nicht zugänglich sind.

Die zylindrische Form ist von Graupappe ummantelt (164 x 346 mm). Sie mißt im Durchmesser 112 x 164 mm und wiegt 2,1 kg. Zusätzlich ist die Hülle in vertikaler und horizontaler Richtung von einem schmalen Pappstreifen (18 x 552 mm) umgeben, der das Abrutschen des Mantels verhindert, und seine aufeinandertreffenden vertikalen Kanten klebend zusammenhält. Auf der Gegenseite treffen sich auf halber Höhe die beiden Enden des Streifens und halten auch hier klebend auf dem Mantel. Im oberen Bereich bietet er zugleich die Möglichkeit, ihn als Tragegriff für das Mal zu nutzen. Bereits jetzt ist in der Draufsicht der Orangeton des Mals und die versenkt liegende Solarzelle erkennbar. Bei leicht angewinkelter Betrachtungsweise wird ein auf gleicher Höhe befindliches Loch sichtbar. Von unten läßt sich ein tiefliegender Druckschalter ausfindig machen.

Am Ort der Installation des Grabmals, der nicht dem Ort der Grablegung entsprechen muß, wird der Boden in Größe eines Kegelstumpfes von 210 x 150 x 150 mm aufgelockert und ausgehoben. Über dieser Grube wird die Pappummantelung aufgebrochen. Dabei tritt der in den Zwischenräumen befindliche Zement (1,1 kg) aus. Mit ihm und den mitgebrachten 260 ml Wasser wird unter Zuhilfenahme des Aushubs (eignet er sich nicht, muß in der Umgebung entsprechendes Zuschlagmaterial gefunden werden) in der Grube der entstehende Beton angerührt bis er die erforderliche Konsistenz aufweist und die Mulde ausfüllt. In der einen Hand das Mal, mit der Solarzelle zu sich gewandt, wird mit einem Finger der anderen Hand der unterwärts liegende zweistufige Druckschalter (jeweils 4 mm Hub) in die erste Position gedrückt und in einem Abstand von 20 cm senkrecht zur Solarzelle mit einem ausgewählten Text besprochen, oder einem Musikstück bespielt. Dafür ist maximal 64 Sekunden Zeit. Im Anschluß muß der Schalter in die nächst tiefere Position gedrückt werden, um ihn unwiderruflich einrasten zu lassen. Mit drehender Vorwärtsbewegung wird das Grabmal nun, den Schalter voran, in den Beton gesenkt, bis nur noch der Kopf des Mals herausschaut. Über Schallöffnung und Solarzelle peilend, ist es mit der Solarzelle nach Norden auszurichten. Die Pappe wird zerkleinert und in den noch frischen Beton gedrückt. Das so installierte Grabmal wiegt nun (das Gehäuse selbst 1 kg) 5,2 kg. Solange Sonnenstrahlen es erreichen, wird die aufgenommene Sequenz leise, aber ununterbrochen wiederholt.


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