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form+zweck 14

Zur Anpassung des Designs an die digitalen Medien

 

 

Joseph Weizenbaum

Der Computer verschwindet. Es hat schon begonnen.

 

Weil Forschungsaufträge am MIT mit Argumenten begründet werden mußten, die dem US-Verteidigungsministerium gefielen, weil Computertechnologie Tötungsmaschinen im Vietnamkrieg steuerten, wurde Joseph Weizenbaum zum prominentesten und kompetentesten Kritiker der Verquickung der Computerentwicklung mit dem Militärisch-Industriellen-

Komplex.

Wir sprachen mit Joseph Weizenbaum, der die Entwicklung des Massachusetts Institute of Technology (MIT) seit nunmehr über drei Jahrzehnten als Professor begleitet, über die grundsätzlichen Wandlungen, die die Datenverarbeitungsmaschinen in der Gesellschaft und im Denken der Menschen erzeugten.


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In »Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft« steht indirekt die Behauptung, die Computerrevolution hätte nicht stattgefunden: Zumindest nicht in einer Weise, die den Begriff Revolution rechtfertigen würde. Die Pointe dieser Formulierung bestand darin, daß Sie Revolution an soziale Veränderungen banden und weiß Gott seinerzeit keine Veränderungen wahrnehmen konnten. Mir gefällt diese Aussage in einem gewissen Sinne auch noch heute. Ihnen auch?


Prof. Weizenbaum

Es ist oft gesagt worden, der Computer sei gerade zur rechten Zeit gekommen, just in time, denn es habe Probleme gegeben, die ohne ihn nicht lösbar gewesen wären. Tatsächlich aber ist der Computer entwickelt worden, um die bestehenden Strukturen zu erhalten.

Wenn man diese Entwicklung über einen langen Zeitraum betrachtet - ich sehe sie jetzt seit vierzig, fast fünfzig Jahren - dann wird klar, daß sich nur sehr wenig verändert hat. Die Vorhersagen, die Begeisterung - das hat sich die Realität sozusagen nicht verdient. Rein technisch hat sich viel geändert. Die Schnelligkeit der ersten Computer, an denen ich gearbeitet habe, hat man in Sekunden oder Millisekunden beschrieben. Heute spricht man von Nanosekunden, das ist ein Tausendmillionstel einer Sekunde. Das ist eine Veränderung, die man kaum glauben kann, selbst wenn man sie mitgemacht hat nicht. Auch die Welt ist anders geworden. Was hat sich wirklich verändert?


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Die technische Entwicklung scheint ein evolutionärer Prozeß zu sein. Relativ unabhängig, immer unabhängiger von dem Wollen der Akteure.


Prof. Weizenbaum

Das glaube ich nicht. Man muß sagen, daß besonders das Militär die Entwicklung bestimmt hat und daß alles, was entwickelt wurde, die Antwort auf Wünsche des Militärs ist.

Im Museum für Verkehr und Technik zum Beispiel hier in Berlin ist ein Apparat zu sehen, eine Rakete mit eingebauter Kamera. Die Rakete ließ sich steuern. Sie ist für die Wehrmacht entwickelt worden im zweiten Weltkrieg, nur hat sie nie richtig funktioniert. An ihr kann man sehen, was das Militär verlangt: alles muß immer kleiner werden, immer schneller, es muß überall eingebaut werden können. Das ist der Drang des Militärs. Stellen wir uns vor, eine Gesellschaft ohne Militär, nur für einen Moment. Wie wäre die Entwicklung dann verlaufen?


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