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form+zweck 14

Zur Anpassung des Designs an die digitalen Medien

 

 

Joachim Sauter

Digitale Verdopplung der Welt

 

In jener grauen Zeit, als die Wirklichkeit noch etwas galt und Professoren damit drohten, Sand in die Computer zu streuen, wurde ART+COM gegründet. Ursprünglich war an ein Institut zur Erforschung der neuen Medien gedacht, angebunden an die Hochschule der Künste. Widerstände aus der Schule haben dies verhindert. So wurde ART+COM 1987 ein Verein, gemeinnützig, mit Sitz Nähe Ku'damm und Blick auf Gedächtniskirche und Europacenter. Betrieben wird Auftragsforschung. Auftraggeber sind unter anderem Mercedes Benz und DeTeBerkom, eine Tochter der Telekom. Das Auftragsvolumen ist so groß, daß das Finanzamt auf Ausgründung einer GmbH bestand. Joachim Sauter ist Professor an der Hochschule der Künste und Gründungsmitglied von ART+COM. Ausgebildet als Grafikdesigner fühlt er sich heute den Pionieren des Films verbunden, die Anfang des 20. Jahrhunderts gleich ihm sich mühten, eine spezifische Sprache für ein revolutionäres Medium zu kreieren.

 

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Seit wann gibt es ART+COM?


Joachim Sauter

ART+COM wurde Ende der achtziger mit dem Ziel Jahre gegründet, die neuen Medien zu erforschen. Hier in Berlin im Hochschulbereich kämpften wir gegen Einstellungen, die sehr technologiefeindlich waren. Die Tradition an der Hochschule der Künste, herkommend aus der '68er Bewegung, hat eine offene Diskussion über die neuen Medien verhindert. An anderen Hochschulen war sie selbstverständlich, international sowieso. Ein Satz, der mir in Erinnerung geblieben ist, war: »Wir streuen Sand in eure Computer«. Das war das Niveau, auf dem die Diskussion ablief. Natürlich von Angst geprägt.


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Die Angst ist existentiell gewesen? Verdrängt zu werden vom Markt der Lehre, der Aufträge?


Joachim Sauter

Die Angst war nicht existentiell. Es war die Angst, aus einer uninformierten Situation heraus argumentieren zu müssen. Die im Berufsleben stehenden damals 35- bis 60jährigen hatten keine Zeit, sich mit dem Computer auseinanderzusetzen. Die jüngeren sind mit ihm groß geworden.

Wir, die wir damals aus der Hochschule heraus ART+COM gegründet haben, hatten erkannt, daß der Computer nicht nur ein Werkzeug ist, sondern ein Medium. Er kann nicht nur Abläufe, Prozesse rationalisieren, sondern er ist ein Medium, mit dem Massenkommunikation betrieben werden kann. Wir haben in unseren ersten Projekten ganz klar zeigen wollen, was den Rechner vom Werkzeug zum Medium erhebt: 1. Interaktivität, also nicht mehr nur lineares Befolgen, 2. Multimedialität, mehrere mediale Einheiten (Bild, Ton, Typografie, virtueller Raum ...) können unabhängig voneinander angesprochen, angeboten werden, 3. Vernetzung, das, was ihn letztendlich zum Massenmedium macht.

Inzwischen, etwa in den letzten fünf Jahren, hat die Hochschule durch das Engagement einer neuen Studierenden- und Lehrendengeneration den Anschluß an andere vergleichbare Institutionen erreicht. Sie hat sogar eine eigenständige Qualität dadurch geschaffen, daß sie die neuen Werkzeuge mit den traditionellen integrativ verbindet.


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Was ist das Faszinierende an diesem Medium?


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