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form+zweck 14

Zur Anpassung des Designs an die digitalen Medien

 

 

Nils Krüger

Entwerfen mit oder am Computer?

 

Der vorliegende Text beschreibt eine Entwurfsarbeit mit dem (nicht am!) Computer, eine persönliche Erfahrung. Der Entwurf eines Operationssaales für die Neurochirurgie war eine Diplomarbeit an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee im Fachgebiet Produktdesign.

Ausgangspunkt für das Projekt war eine in Deutschland durchgeführte Studie über einen Operationssaal der Zukunft. Diese Studie diente als Anregung für die vorliegende Arbeit, im Verlauf entwickelte sich aber ein eigenständiges Projekt.

Der gezeigte Operationstisch wurde für mikrochirurgische Eingriffe am gesamten Körper, besonders für Anwendungen im neurochirurgischen Bereich gestaltet. Von Seiten der Medizin bestand der Wunsch, ein operationsbegleitendes bildgebendes Verfahren einzuführen. Aufgrund der geringeren Belastung für Patienten und Anwender und der besseren Bilddaten schien die Magnetresonanztomographie (MRT) am geeignetsten. Das Verfahren verlangt allerdings, daß im Operationsbereich keine magnetisierbaren Metalle vorhanden sind.

Der beschriebene Operationstisch ist Bestandteil einer Gesamtkonzeption.


Erfahrungen mit dem Computer

Nähert man sich einem noch unbekannten Thema, ist grundlegend der Aufbau der Pages im Internet beziehungsweise der Suchprogramme in Bibliotheken geeignet. Die Effektivität der Recherche ist in erster Linie durch die Sinnfälligkeit der Vernetzung und der Suchbegriffe, aber auch durch die Geschwindigkeit des Zugriffs, Wechselns und Suchens bestimmt.

Letztendlich entscheidend sind aber die Inhalte und Leistungen, die hinter den Stichwörtern stehen. Hier liegen die neuen Informationssysteme (noch?) weit hinter dem gewachsenen Bestand der Buchwelt zurück.


»Ihre Inhalte wirken so klein, gemessen am Genius ihrer Technologie ...« (John Updike auf der Frankfurter Buchmesse 1995)


Zu Anfang bleibt die Idee.

Die erste Darstellung muß natürlich nicht am Computer erzeugt werden. Eine Freihand-Skizze der Idee ist schneller gemacht als man den Computer auch nur einschalten kann.

Der Computer zwingt sofort zu Entscheidungen. Eine Linie ist so lang oder so lang. Und das gilt dann für alle Ansichten. Bei Handskizzen sind die Größenverhältnisse meist in allen Darstellungen verschieden; zumindest bei mir meist geschönt. Der Griff zum Computer ist die erste Festlegung, vergleichbar einer maßstäblichen Skizze oder technischen Zeichnung auf Papier.

Die schnelle Handskizze fördert ein Feedback zwischen Sehen und Zeichnen, welches mir beim Entwerfen sehr wichtig ist. Beim Handzeichnen sind Änderungen kein Problem, sie sind Bestandteil des Prozesses. Die Änderung von computergenerierten Objekten und Zeichnungen ist aber nur bedingt einfach (dazu später mehr).


Die Abbildungen des Computers auf dem Bildschirm, als Ausdruck oder Belichtung sind technisch perfekt. Sie stellen sich deshalb in jedem Bearbeitungsstadium als endgültig dar.

Die Anforderungen an das Urteils- und Selektionsvermögen des Betrachters sind daher anders als bisher.


Die qualitativen Unterschiede einer Computerdarstellung liegen in ihrer Gestaltung. Das Erkennen von Mängeln in den perfekten Darstellungen des Computers muß genauso erlernt und erfahren werden wie gestalterische Grundlagen in anderen Darstellungsformen. Neben dem Erlernen der Softwarenutzung scheint mir deshalb die Schulung der Bildbeurteilung am Computer sehr wichtig. Beides ist Voraussetzung für anspruchsvolle Darstellungen.


Erschwert wird der kritische Umgang mit den neuen Medien durch den herrschenden Technikglauben. Maschinell erzeugte Bilder und Texte werden leider viel zu selten in Frage gestellt.


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