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Zur Anpassung des Designs an die digitalen Medien

 

 

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Perforierte Partikel Projektion

 

Im vergangenen Jahr lag in unserem Briefkasten eine Filmdose. Sie enthielt zwei Kataloge über Installationen von Filmemachern und die Ankündigung einer Ausstellungseröffnung. In der Hamburger Kampnagelfabrik: Eintritt zahlen. Wettschein kaufen für ein Rennen von 10 Filmprojektoren. Das Licht geht aus, die Projektoren am Start werden eingeschaltet - an den Filmen ziehen sie sich vorwärts. Flimmern auf der Zielwand. Gedränge auf der Bahn. Anfeuernde Rufe ...

Die Partikel Projektionen zeigen das Illusorische und Täuschende des Mediums Film, das Lichtbild als ein Resultat der Bewegung von Stoffen, ihrer mechanischen Verknüpfung und ihrer energetischen Erregung.

 

Perforierte Partikel Projektionen

ist ein Ausstellungsprojekt, das Projektionsinstallationen und kinematografische Skulpturen von neun Filmkünstlern zeigt. Die Ausstellung versteht sich als work in progress, bei der die Arbeiten nicht nur den räumlichen Gegebenheiten angepaßt werden, sondern zu jeder weiteren Ausstellung neue Filmstreifen, Objekte und Inszenierungen hinzukommen.

Künstlerische Installationen mit Filmprojektion gab es bereits in den sechziger und siebziger Jahren. Expanded Cinema nannte man es damals, eine Richtung, die sich aus den Gedanken der Fluxus Bewegung (Verweigerung des Kinoerlebnisses), des Experimentalfilms (struktureller Film) und des Abstrakten Films der zwanziger Jahre (optische Musik) entwickelte. Durchgängiges Thema dieser Installationen und Performances war der aufklärerische Gedanke, auf die Scheinrealität des Mediums aufmerksam zu machen, sich mit den wahrnehmungspsychologischen Phänomenen auseinander zu setzen oder den Betrachter in den Filmprozeß mit einzubeziehen. Die KünstlerInnen verstanden sich als Avantgardisten und schufen neue Seherlebnisse.

Von diesem Selbstverständnis sind wir heute weit entfernt. Im Zeitalter der virtuellen Realitäten, der Daten Super-Highways und sogenannten interaktiven Computerprogramme sind Filmprojektoren technisch gesehen Oldtimer. Doch für die KünstlerInnen der Perforierten Partikel Projektionen sind diese Bildmaschinen, die jetzt auf dem Schrottplatz landen, ihr künstlerisches Material. Für die Gestaltung ist für sie dabei elementar wichtig, in die technischen Prozesse eingreifen zu können. Funktionen, die von Ingenieuren für einen ganz bestimmten Zweck entwickelt wurden, müssen je nach Bedarf umgestaltet werden können. Videogeräte und Computer verschließen sich diesen Möglichkeiten. Die Black Box läßt den user nur noch bis an die Benutzeroberfläche. Die Arbeit mit ihr ist auf die zahlreichen, aber festgelegten Möglichkeiten der hard- und software begrenzt. Beim Film ist der gesamte technische Ablauf, von der Aufnahme in der Kamera, der Entwicklung im Labor bis hin zur Projektion überschaubar. An jeder Stelle ist es möglich einzugreifen, Dinge aus ihrem Zusammenhang zu lösen und in einen neuen zu stellen. So verliert die Technik ihre Funktion als bloßes Hilfsinstrument und wird selbst künstlerischer Zeichenträger. Der Objektcharakter der Apparate, ihr Bezug zum projizierten Bild und zum Raum bilden eine Einheit und machen die Perforierten Partikel Projektionen zu einem visuellen und haptischen Gesamterlebnis.


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