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Zur Anpassung des Designs an die digitalen Medien

 

 

Adib Fricke

Poesie des Zufalls

 

Adib Fricke begann als Grafikdesigner. Seit Mitte der achtziger Jahre erarbeitet er Installationen und Ausstellungen zum Zusammenhang von Bild, Text und Computer. International bekannt wurde er durch sein Projekt »Das Lächeln des Leonardo da Vinci«. Er lebt heute als freier Künstler in Berlin und betreibt nebenbei TWC, ein Unternehmen für die Entwicklung und den Vertrieb von Wörtern. Wir sprachen mit Adib Fricke über die Eigenart von Texten und Bildern, die auf das Rechnen gestützt sind.

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Wie ist deine Arbeit mit Texten beziehungsweise mit Wörtern entstanden?

Adib Fricke
Ausgangspunkt für meine Arbeit war die Fotografie. Ich habe ziemlich viele Formen im Umgang mit dem Medium Fotografie ausprobiert und mich sehr lange damit beschäftigt. Ausgehend von Bild-Text-Kombinationen und dem Bedürfnis, über Fotografie zu schreiben, habe ich eines Tages die Bilder einfach weggelassen. Das war ein Schnittpunkt. Ich habe nur noch mit Text gearbeitet, weil ich gemerkt habe, das reicht für mich eigentlich aus. Ich mochte die Bilder gar nicht mehr haben und ›brauchte‹ sie auch nicht mehr. Man hat genug Bilder im Kopf, sie sind durch Worte wachrufbar. Das hat mich interessiert, und so habe ich auf die Fotografie verzichtet und sogenannte Textbilder gemacht, die im Gegensatz zur Fotografie gerade keine konkreten Situationen, sondern exemplarische Situationen zum Gegenstand hatten.

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Du hast statt der Bilder Texte gesetzt?

Adib Fricke
Ich hatte - noch als Student an der Hochschule der Künste - in der selbstinitiierten Galerie »Für den Fotofreund« mehrere kleine Fotoausstellungen organisiert. Für eine dieser Ausstellungen, dem eigenen Projekt »Double-Take«, wollte ich eine begleitende Publikation, die zusätzliche Information zu einem bestimmten Phänomen der Knipserfotografie geben sollte. Weil ich keinen passenden Autoren gefunden hatte und die Fragestellung interessant genug war, habe ich dann selbst einen Text dazu geschrieben. Das war 1986. Zusätzlich war mein Bedürfnis groß genug, unabhängig von der Hochschule eine kleine Broschüre zu produzieren. Ich habe mir damals meinen ersten Macintosh Computer gekauft, mit dem eine unabhängige Low-Budget-Herstellung möglich war. Schon damals war es mir sehr wichtig, autark arbeiten zu können. Weitere Publikationen in dieser Richtung, dann »Hefte zur Fotografie« genannt, folgten. In diesem Prozeß habe ich mich unweigerlich auch mit Fragen der Grafik auseinandergesetzt und ein größeres Interesse daran, besonders an der von geringen Mitteln geprägten Aufbereitung von Text, entwickelt. Je mehr ich mich in der künstlerischen Arbeit dann mit Text oder später Wörtern beschäftigte, umso relevanter wurden natürlich die Fragen der Grafik. Und - zusätzlich habe ich ein starkes Interesse gehabt, zu erfahren, was hinter dem Bildschirm abläuft, wie so eine Kiste eigentlich hinter der Benutzeroberfläche funktioniert. So habe ich etwas später begonnen, auf einfachem Niveau mich auch mit dem Programmieren zu beschäftigen.

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War es die Begrenztheit der Programmstandards, die dich initialisierte?

Adib Fricke
Nein, es waren keine selbstgeschriebenen Applikationen, die Arbeitsprozesse hätten verbessern können.

 

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