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form+zweck 15

Text, Textil, Textur
William Morris I

 

Carl-Wolfgang Schümann

William Morris' Textilien.

 

»William Morris was a great man who somehow delighted in glaring wallpapers.« Richard Norman Shaw

Leben und Werk von William Morris tragen die ganz ausgeprägten Züge der englishness of English Art. Aus der gutbürgerlichen englischen Mittelschicht kommend wurde er, wie er selbst erzählt, früh in die Hände fremder Menschen zur Erziehung und Weiterbildung gegeben. Nach der Amme, dem Kindermädchen, dem Hauslehrer kam er zuerst in eine public school. Seine Studien beendete er nicht untypisch für das damalige England ohne Abschlußexamen. Der für mitteleuropäische Verhältnisse etwas ruppigen Erziehung konnte er früh Trost entgegensetzen. Ihn fand er in der Natur, etwa in Epping Forest, oder in dem von Hecken durchzogenen Weideland der englischen country side. So kann es auch nicht verwundern, daß seine Privathäuser Red House, Kelmscott Manor und Merton Abbey alle in der beruhigten englischen Landschaft liegen. Freilich wußte er genau, daß er sein Ziel im Leben nur von der Stadt London in England erreichen konnte, wo er vom Red Lyons Square über Queens Square und Oxford Street am Ende nach Hammersmith in London an die Ufer der Themse ging. Neben den Blüten und Bäumen, der unspektakulären ländlichen Architektur macht er sich schnell auch mit den bedeutenden englischen Bauten bekannt. Er entdeckte für sich nicht nur die Dorfkirchen, sondern auch die großen Kathedralen. Über die gewaltsame Restaurierung dieser Bauten hat er viel Tränen vergossen. Hat er noch am Anfang an eine geistliche Lebensaufgabe gedacht, so machte er sich sehr schnell von religiösen Bindungen im engeren Sinne frei. Er nahm Zeichen- und Malereiunterricht und befreundete sich früh mit den »Modernen Künstlern« wie etwa Dante Gabriel Rosetti, der auch sein Lehrer wurde. Für kurze Zeit arbeitete er im Oxforder Büro eines neugotischen Architekten, der später in London die Law Courts errichten sollte.
Burne-Jones und seine Frau sollten Freunde fürs Leben werden. Für deutsche Verhältnisse lag über der Ausbildung etwas zutiefst Dilettantisches. Daher lagen William Morris dem Künstler wie dem Lebensreformer und Sozialisten theoretische Überlegungen durchaus nicht fern. Vielfach berichtete er selbst, vor allem in Briefen, über Jugend- und Ausbildungszeit.

»Sehr gut erinnere ich mich an meine erste Begegnung mit einem Raum voller verblaßtem Laub im Queen Elizabeth's Lodge, bei Chingford Hatch in Epping Forest ... und den romantischen Eindruck, den er auf mich machte - ein Gefühl, das immer wiederkehrt, wenn ich , was ich oft tue, Sir Walter Scott's Antiquary lese und zu der Beschreibung des grünen Raumes in Monkbarns gelange, in die der Autor mit großer Kunstfertigkeit die frischen und funkelnden Verse des Sommer-Poeten Chaucer eingebettet hat - ja, glaub mir, das war mehr als ein Polster.«

Auch sein Eintritt in die Universitätswelt von Oxford gerät ihm poetisch.

»'Hast Du Oxford gesehen, Gelehrter?'
Eine Vision von graugedeckten Häusern und einer langen gewundenen Straße und des Klangs vieler Glocken überkommt mich bei dieser Zeile ... .«

Um dann sehr viel sachlicher fortzufahren:

 

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