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form+zweck 17

Morphologie / Neobiologie

 

2000

64 Seiten

deutsch/englisch

Klappenbroschur, fadengeheftet

 

Redaktion: Angelika Petruschat, Silke Rothkirch, Chup Friemert, Jörg Petruschat

Gestaltung: Sabine Golde, Tom Unverzagt

 

ISBN 3-9804679-7-X

19,00 Euro

 

 

 

Was unterscheidet den Jahrhundertwende-Wunsch, Gestaltung an Formen der Natur auszurichten von der heutigen Faszination an Neobiologie, Haifischhaut und autonomen Systemen?

 

Um 1900 erschien Natur als ein Reservoir ideal funktionierender Formen, entstanden in einem jahrmillionenlangen Entwicklungsprozeß. Heute, um 2000, ist nicht das Ergebnis, sondern sind die Prinzipien interessant, die zur Ökologie geführt haben, die die Formen fit gemacht haben, für ein effektives und angepaßtes Dasein.

 

Um 1900 haben Gestalter und Architekten in Zeichnung, Foto und Experiment Natur rekonstruiert, um einer industriellen Ökonomie Gestalt zu geben. Heute lassen Programmierer in symbolverarbeitenden Maschinen genetische Algorithmen marschieren, um Formen zu erzeugen, für die es kein Vorbild gibt, obwohl sie Reproduktionsmustern lebender Systeme folgen. Auch hierbei geht es um die Durchsetzung einer neuen Ökonomie.

 

Um 1900 erreichte Gestaltung mit dem Nachäffen der Natur ein rationales Bewußtsein. Um 2000 geben Eliten aus Wissenschaft und Ökonomie die Idee von Planung und Kontrolle auf, weil sie sich Problemen gegenüber sehen, deren Komplexität ihre Menschenhirne nicht mehr zu fassen vermögen. Maschinen sollen es richten, die von Programmen gesteuert werden, die von Programmen geschrieben wurden, die von anderen Programmen gezeugt, trainiert und perfektioniert worden sind.

 

Aus dem Editorial von Jörg Petruschat