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form+zweck 18

Wohin mit den Händen?
How to Handle Hands?

 

Hanna Strömberg | Veli-Pekka Räty | Antti Väätänen

Lumetila

 

form+zweck

Lumetila ist ein finnisches Forschungsprojekt, das sich zwei Jahre lang der Entwicklung von neuartigen interfaces widmete. Im Mai 2001 wurde das Projekt abgeschlossen. Ziel der Forschung war es, die Grenzen zwischen der räumlichen Umgebung eines Nutzers oder Spielers und dem interaktiven virtuellen Raum weitgehend aufzuheben. Inwieweit ist Ihnen die Aufhebeung dieser Grenzen gelungen?

Hanna Strömberg

In der Lumetila-Studie untersuchten und entwickelten wir auf Körper und Raum bezogene interfaces unter der Leitidee eines Human Cebtered Design.. Unser Ziel war es, ein neues Computerspiel in einem virtuellen Raum zu entwickeln. Wir nahmen uns vor, die bezaubernden Spielerfahrungen und starken Emotionen zu erreichen, wie wir sie aus Freizeitparks kennen. Das Projekt schloß sowohl Technik als auch Design mit ein. Das Team unserer Projektgruppe bestand aus Vertretern verschiedener Disziplinen, mit Kompetenzen auf den Gebieten Benutzerfreundlichkeit, Medienwissenschaften, Spieledesign, Signalverarbeitung und Softwareentwicklung. Die Präsentation des Spiels wurde gemeinsam mit Ton- und Lichttechnikern kreiert.
Im Verlauf der Studie entwickelten wir "Nautilus", ein Unterwasserabenteuer mit einer Taucherglocke als Spielprototyp. Die Spieler verkörpern die Besatzung der Taucherglocke. Sie versuchen, einen Delphin zu retten, der unter einem Schiffswrack eingeklemmt ist. Natürliche Spielerbewegungen, gemeinsame Gruppenerfahrung, ein mit Bodensensoren ausgestatteter Raum, technische Effekte und der Handlung des Spiels in »Nautilus« verwischen die Grenze zwischen der physischen Umgebung und der virtuellen Welt . Nautilus hat einen besonders hohen Neuheitswert, weil es für mehrere Spieler gedacht ist. Die Gruppe verfolgt ein Ziel in einem Raum, in dem die Spieler im Wechsel zugleich aufeinander und auf das Spiel einwirken. Die Taucherglocke wird durch Aktionen der jeweiligen Gruppen (3-6 Spieler) und ihre Standorte auf dem Spielfeld gesteuert. Zum Spiel gehören eine große Leinwand, Lichteffekte und ein 3D sound, um das Raumgefühl in einer Taucherglocke und die Atmosphäre der Unterwasserwelt zu erzeugen.
Im Verlauf des Designprozesses wurde der Prototyp des Nautilusspiels mit 11 verschiedenen Spielergruppen erprobt. Die Gruppen bestanden aus Schulkindern, Familien, Jugendlichen (im Alter von 15-20 Jahren) und erwachsenen Computerspielern. Die Ergebnisse der Tests zeigten, daß sich der Einsatz des eigenen Körpers, das Spiel in einer Gruppe und technische Effekte die wichtigste Faktoren sind, um eine immersive und fesselnde Spielerfahrung zu schaffen. Die Handlung und die intuitive Benutzerführung ließen die Spieler noch tiefer eintauchen. Bei traditionellen Computerspielen sitzt der Spieler allein vor dem Bildschirm. Bei »Nautilus« hatten die Spieler das Gefühl, Teil des Spiels zu sein.

form+zweck

In Japan sind inzwischen Computerspiele (sogenannte Benami) auf dem Markt, die den Einsatz des ganzen Körpers ermöglichen beziehungsweise verlangen.
Aus den sciencefiction-Serien des Fernsehens und des Kinos kennen wir die sogenannten Holodecks, in denen uns perfekt simulierte Welten auf Zuruf erscheinen.
Fachleute diskutieren darüber, wie man den Computer als Gerät verschwinden lassen kann.
Wie würden Sie Ihr Projekt in dieses Gefüge einordnen?

Konventionelle Spiele in virtuellen Realitäten sind bestrebt, die Benutzeroberflächen entweder durchsichtig oder unsichtbar werden zu lassen. Dies aber zwingt die Spieler, spezielle Hilfsmittel zu tragen - wie zum Beispiel am Kopf angebrachte Bildschirme und Datenhandschuhe, die zum einen unbequem sitzen und zum anderen die Beweglichkeit der Spieler einschränken. Tatsächlich sind diese Hilfsmittel aber weder durchsichtig noch unsichtbar, sondern engen beispielsweise das Gesichtsfeld der Spieler ein. Zweitens, wollten wir eher einen bespielbaren Raum schaffen, der in Wirklichkeit gar nicht existiert, anstatt die körperliche Welt perfekt zu simulieren wie es die einschlägigen Fußballspiele tun.

 

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