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form+zweck 18

Wohin mit den Händen?
How to Handle Hands?

 

Till Bruttel

Soziale Figuren der Hand

 

Die Hand
Das etymologische Wörterbuch versucht eine Geschichte des Wortes Hand. Das hebräische Wort »jad« bedeutet gleichzeitig »Hand« und »Macht«. Hand gehört wahrscheinlich als ablautende Substantivbildung zu der Sippe von fangen / greifen und bedeutet demnach eigentlich Greiferin und Fasserin. Sie gilt seit altersher als Symbol der Gewalt über etwas, als Symbol des Besitzes und des Schutzes. Selbst Götter, Riesen und Helden haben Hände, einige sind sogar vielhändig. Die Hand ist »ausgreifendes Werkzeug« der Götter und der Menschen, ist Mittlerin im Himmel und auf Erden, zwischen Himmel und Erde und der Menschen untereinander. Der ägyptische Urgott Ptah formte mit seinen Händen auf der Töpferscheibe das Weltall. Nach dem Propheten Jesaja hat der Herr Himmel und Erde mit seinen Händen erschaffen. Die frühchristliche Kunst zeigt auf Fresken, Mosaiken und Miniaturen die Hand Gottes als Zeichen und Symbol seines Eingreifens. Zu einer solaren Symbolik gehören die gespreizten Finger auf Felsmalereien und Homers »rosenfingerige« Göttin der Morgenröte. Im Mittelmeerraum und im Orient sind gewisse Handhaltungen als magisches Abwehrmittel bekannt. Als Symbol der Macht kann die Hand auch Hoheitszeichen sein, so in Westafrika in Verbindung mit dem Elefantenrüssel. Hand und Handschlag sind Rechtssymbole. Die Darreichung der Rechten galt in der Antike als Zeichen der Übereinstimmung. Das Händewaschen hat im Kult alter und neuer Zeit eine große Bedeutung. Berühmt ist Matthäus 27,24: »Da aber Pilatus sah, dass er nichts schaffte, sondern dass ein viel grösseres Getümmel ward, nahm er Wasser und wusch sich die Hände vor dem Volk und sprach: Ich bin unschuldig an dem Blute dieses Gerechten; seht ihr zu!« Im Allgemeinen Handwörterbuch der philosophischen Wissenschaft nebst ihrer Literatur und Geschichte, (D. Wilhelm Traugott Krug, 1833 Leipzig) wird Anaxagoras zitiert, der behauptet hatte, die Stiere wären Menschen, wenn sie Hände hätten, Aristoteles pflichtet ihm indirekt bei: »...während der Mensch in Bezug auf alle anderen Sinne hinter den Tieren zurücksteht, übertrifft er sie weit in der Feinheit des Tastsinns. Darum ist er auch der Klügste unter allen Lebewesen.«
Im Deutschen Sprichwörter Lexikon von 1870 (Hrsg. Karl Friedrich Wilhelm Wander, Leipzig 1870) sind 924 Sprichwörter aufgeführt, in denen die Bedeutung der Hand im Alltag zwischen den Menschen sowie zwischen den Menschen und den Dingen sichtbar wird. Die Hände geben Hinweise auf den Charakter eines Menschen, auf seine Vergangenheit, seine Gegenwart, seine Zukunft, auf sein Wohlbefinden, sein Alter und seine Zugehörigkeit. Die Form, das Verhalten, die Wirkung und Kraft und die Zahl sind zu beachten. Hände können tüchtig, faul, eigen, fremd, rechts, links, voll, leer, freigiebig, sparsam und geschickt sein, sie können Göttern, Herren, Frauen und Kindern gehören, die Hand ist Maß für Länge und Gewicht. Hinzukommen Redensarten und Vergleiche wie:
mit beiden Händen,
mit ungewaschenen Händen,
auf Händen tragen,
du hast es in der Hand,
Oberhand gewinnen,
etwas in den Griff bekommen,
es liegt auf der Hand,
sich etwas unter den Nagel reissen,
von langer Hand vorbereiten,
um die Hand anhalten,
die rechte Hand ist die Schöne, die Liebe, die Goldene,
die linke Hand ist mit vielen zwiespältigen Bedeutungen belegt und auch Befehle und Bedrohungen betreffen die Hände:
Hände weg!
Hände hoch!.

 

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