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form+zweck 19
Vom Handeln im Netz. Dimensionen der Globalisierung

 

Christof Ohm

Hacker - Das Ethos der neuen Kämpfe im Internet-Zeitalter

 

Mit Heraufkunft der mikroelektronischen Produktionsweise und Vernetzung der Computer entsteht im Kapitalismus eine historisch neuartige Formation von High-Tech-Akteuren, die sich die neuen Produktivkräfte durch deren oppositionelle Umfunktionierung aneignen und dabei Arbeit, Lebensweise, Ethik, Kriminalität und Sport zu neuen Gegenkulturen verknüpfen, die Hacker.


Faszination durch Hacker
Ebenso wie vor eineinhalb Jahrhunderten Wilderer vom Volk verehrt wurden, weil sie sich in den Wäldern, verfolgt von Förstern und Gendarmen, das Jagdrecht wieder nahmen, das alle freien Bauern dereinst hatten, geht von Aktionen der Hacker eine von Massenmedien und Kulturindustrie intensiv ausgebeutete Faszination aus. Hoffnungen richten sich auf sie, da sie sich als digitale Grenzgänger - ohne gefaßt zu werden -, Zutritt zu verbotenem Terrain verschaffen, Machtmonopole unterlaufen, der Lächerlichkeit preisgeben.
Im deutschen Sprachraum drang der Begriff nach dem Film 'Wargames' (1983) ins öffentliche Bewußtsein, und es stieg seitdem die bis dahin kleine Hacker-Gemeinde zahlenmäßig sprunghaft an. - Im Zeitalter des Internet verbleicht die Bedeutung der Hacker nicht, sondern wächst.
Angesichts dessen, daß im Internet-Zeitalter ein Hacker in wenigen Wochen Programmierarbeit riesenhaften Schaden anrichten kann, steigt das Interesse für Hacker auch bei den Militärs. Sie (genauer: deren Militärintellektuelle, die nach Ende des kalten Krieges neue Feinde, neue Kriegsformen, neue Finanzierungsgründe suchen) überhöhen/ dämonisieren Hacker bereits zu Helden/ Feinden künftiger Kriege: 'Cyberkrieger' zerstören in 'infowars' das filigrane Netzwerk der Rechner, auf denen heutzutage die moderne technische Zivilisation beruht.
Hackerpraxen - Divergenz der Definitionen
1. Distributive und destruktive Hackerpraxen
Um die Frage zu bearbeiten, in welchen Spannungsfeldern Hacker sich bewegen, welche neuen Aktionsräume sie sich schaffen, in welche Widersprüche sie sich verwickeln, welche politischen Perspektiven sich daraus ergeben, werden hier zunächst Definitionen konsultiert.
"Als Hacker werden Personen bezeichnet, die ohne jede Autorisierung in Computersysteme eindringen. Sie tun dies aus sportlichen Gründen, zum Vergnügen, Zeitvertreib und Nervenkitzel oder aus Neugier... Davon abzugrenzen ist die Art von Computerfreaks, die sich mit dem bloßen Überwinden fremder Sicherungssysteme nicht zufrieden gibt, sondern ihr Wissen dazu nutzt, in anderen Systemen Schäden anzurichten oder die erlangten Informationen weiterzugeben. ... Diese kriminellen Systemeindringer werden in der Computerfachwelt als sogenannte 'Cracker' bezeichnet."

 

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