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form+zweck 19
Vom Handeln im Netz. Dimensionen der Globalisierung

 

Stephan Engelsmann

Kraftnetze

 

Einleitung
Netze sind definiert als Strukturen aus sich schneidenden Linien, deren Schnittpunkte wir als Knoten bezeichnen. Sie können einen sehr unterschiedlichen Charakter haben, natürlichen oder künstliche Ursprunges, abstrakt oder konkret sein. Sie können vielfältige Funktionen wahrnehmen, beispielsweise verteilende, verbindende, tragende, formgebende oder raumbildende Funktion haben. Die Abmessungen der Netze können dabei vom Millimeterbereich bis zu erheblichen Größenordnungen reichen.
Künstliche Netze sind eine uralte technische Errungenschaft des Menschen. Beispielsweise werden Fischernetze, die aus natürlichen Fasern bestehen, vom Menschen seit altertümlichen Zeiten eingesetzt. Eine Vielfalt von künstlichen Netzen ist in unserem Alltag gegenwärtig. Tragenetze, Spielnetze, Schutznetze, Kletternetze, pp. sind weitere Formen von künstlichen Netzen, deren Anwendung dem Menschen von Nutzen ist.
Ingenieure und Architekten kennen Netze vor allem als Strukturen mit formgebender, raumbildender und tragender Funktion. Der Einsatz von künstlichen Netzen in der Architektur ist jedoch vergleichsweise neu, weil sie erst mit der Entwicklung hochfester Zugglieder realisiert werden konnten. Architekturgeschichtlich können sie jedoch aus der archetypischen Form der Zeltkonstruktionen abgeleitet werden. Die ungewöhnliche Morphogenese der Netzstrukturen - der Umstand, dass deren Formen sich nicht mehr nur aus einem Gestaltungswillen, sondern aus geometrischen Randbedingungen und Spannungszuständen ergeben - führte zu einer Sonderstellung der Netze in der Architektur. Sie waren mit ihren ungewöhnlichen Formen aber - in gewisser Weise - auch ein Ausdruck des veränderten Selbstverständnisses der modernen Architektur.