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Walter Zeischegg

Dokument 3: Zeischegg an Gugelot

 

Der bisher nicht veröffentlichte Brief von Walter Zeischegg an Hans Gugelot aus dem Jahre 1961 ist ein Dokument für die Ablösung der Hochschule aus kunsthandwerklichen Bindungen, weg von Bill (und damit auch von Gropius) und hin zu von einer modernen, eigenständigen und von hohen intellektuellen Ansprüchen getragenen Bildungseinrichtung. Heute wird meist übersehen, daß auch die HfG erst zu der avancierten Institution werden mußte, als die sie im Rückblick oft erscheint. Auch an der HfG waren tradierte Leitbilder und Methoden zu überwinden und es verlangte Selbstbeherrschung, Toleranz in Konfliktfällen und Unnachgiebigkeit im Festhalten an Zielstellungen, um Stagnationen an der HfG zu vermeiden.
Der Brief ist die Rückantwort auf ein Schreiben Gugelots an Zeischegg, dessen Kenntnis für das Verstehen des vorliegenden Dokumentes jedoch nicht unbedingt notwendig ist. Hier geht es um den Streit, wie Formarbeit von den Mitteln, Methoden und Prozessen geprägt wird.


Auszug aus der Antwort von Walter Zeischegg auf einen Brief von Hans Gugelot vom 13.11.1960
(Hhfg Archiv: Akte 90.2)


Lieber Kollege Gugelot,

hier meine Stellungnahme zu den Punkten deines Briefes vom 13.d.M.
Ich habe mir bewusst Zeit gelassen, um möglichst alle emotionalen Komponenten unserer Auseinandersetzung auszuschalten und mich nur auf Fakten zu beziehen.

Zu Punkt 1:
Es ist nicht nur »sehr wohl möglich«, sondern ganz gewiss und sicher so, dass ich im Jahre 1950 zusammen mit O. Aicher die erste Konzeption für ein Institut für Produktform ausgearbeitet und entworfen habe.

Dieses geplante Institut war für mich der eigentliche Grund, weshalb ich noch im selben Jahr auf Wunsch von O. Aicher und Inge Scholl dann ganz nach Ulm gekommen bin.

Meine damaligen Vorstellungen über ein experimentell arbeitendes Institut decken sich im Prinzip mit meinen Vorstellungen von heute. Diese fanden ihren dokumentierten Niederschlag sowohl in § 3 der Stiftungsverfassung (Stiftungszweck) als auch in einer Reihe von Schriftsätzen, welche - wenn an heutigen Erkenntnissen gemessen - zwar wohl in manchen Formulierungen noch naiv, so doch eindeutig und überzeugend genug gewesen sind, um dem damaligen Stiftungsvorstand, Frl. Inge Scholl, bei der Gründungsfinanzierung sehr nützliche Dienste zu erweisen.

Als ich mich 1950 für Ulm entschied, hatte ich allerdings zum Unterschied von Dir in Wien damals keine »gute Existenz« aufzugeben, da ich nach über 8 beruflich verlorenen Jahren von 1945 - 1949 an der Akademie in Wien weiterstudiert hatte. Was ich jedoch im voraus sehr wohl wissend in Ulm damals vorfand, war nicht nur keine »reelle Arbeitsgrundlage«, sondern nur weitgespannte Ziele und Ideen und das Dir bekannte, von McCloy gegebene Finanzierungsversprechen, mit der Bedingung, dass innerhalb einer befristeten Zeit eine Million Mark von deutscher Seite aufgebracht werden müsse.

 

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