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form+zweck 20
hfg ulm

 

Gui Bonsiepe

Offener Brief an einen Geschichtsschreiber

 

Guten Morgen Herr Dr. Spitz,


viele Fragen in der gestrigen Diskussion konnten nur gestreift werden und blieben somit unbeantwortet - für das Publikum wie auch die Gesprächsteilnehmer gleicherweise unbefriedigend. Um diese Lücke, wenigstens ansatzweise zu füllen, schreibe ich Ihnen diesen Brief.

Die hfg ulm - darüber besteht wohl Einigkeit - war seit ihrer Gründung ein polarisierendes Thema. Das ist bis heute so geblieben. Nichts hat sich daran geändert. Die Gründe dafür sind vielschichtig, wie auch die institutionelle und finanzielle Seite der GSS/hfg* vielschichtig ist.

Bei meinen Anmerkungen ging es um die Akzentsetzung und Zielsetzung Ihrer Arbeit. Angesichts des - wie Sie selbst feststellen - fehlenden oder begrenzten oder nicht aufbereiteten oder leicht zugänglichen Informationsmaterials über die hfg, stellt sich die Frage, inwieweit heute ein Leser, der nichts über die hfg weiß oder sie nur von vagem Hörensagen kennt, aus der Lektüre Ihres Buches eine Antwort auf die Frage findet, wieso es dazu kommen konnte, daß diese Institution die Bedeutung erlangt hat, die sie erlangt hat.

Ihnen ging es um die Hintergründe der hfg, wie sie »wirklich« funktionierte. Es motivierte Sie also ein detektivisches Interesse. Das macht natürlich neugierig - auch mein Interesse war geweckt, als ich den Umschlag des Buches sah. Daß dabei viel Kleinkariertes und Kleinkrümeliges zum Vorschein kam, hat Sie vielleicht verärgert, oder gar fasziniert - zur Erkenntnis des »Funktionierens« der hfg trägt es wenig bei. Wen mag denn dieses kleinkrämerische Gepüngel heute noch interessieren, wenn es denn je jemandes Interesse wecken konnte? Ist das nicht eine Präzision in Trivialitäten? Max Bill hatte nun einmal einen autoritären Habitus, der den Bogen der Tragfähigkeit eines Teams überspannte. Der formal-wissenschaftliche Flügel, vertreten von Dr. Kesting und Dr. Rittel, war bei weitem nicht so unschuldig-zahm, wie Sie anzunehmen scheinen, und stand sich nicht an, persönliche Verleumdungen seinerzeit ziemlich übler Art über Mitglieder der hfg in die Welt zu setzen, denen Betroffene wehrlos gegenüberstanden. Das waren wirklich keine zivilisierten Umgangsformen - von Manieren ganz zu schweigen.

 

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