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form+zweck 21
entwerfen

 

Prekäre Verhältnisse I


Freelancer - ein Wort, euphorisch genug, um das Gestalterdasein nach Abenteuer klingen zu lassen. Allerdings ist die Ungebundenheit, die darin mitschwingt kein Glück, das gesucht, sondern ein Umstand der hingenommen wird. Seit die Gestalter immer mehr und die Aufträge immer weniger werden, beginnen die allermeisten Absolventen ihren Berufsalltag in prekären Verhältnissen.
Form+Zweck hat "Freie", "Freischaffende" ebenso wie "Feste Freie" befragt nach den Wirklichkeiten ihrer gegenwärtigen Gestaltungsarbeit, nach den Schwierigkeiten, einerseits das Leben mit der Arbeit zu verbinden, weil Projekte ohne volles Engagement, ohne Freunde, ohne Selbstausbeutung, ohne Szene, einfach nicht gut gehen, und andererseits das Leben vor den Jobs zu schützen, weil diese nur auf die Kosten von jenem gehen.


Trend wird gemacht


Monika Fecht, 48, Tischlerlehre, 1984 - 1990 Industriedesign-Studium an der Hochschule für bildende Künste Hamburg, 1990 - 1997 Industrie-Designerin, später freie Mitarbeiterin bei Mathias Hoffmann Design in Tübingen (Produktentwicklung Polstermöbel), 1997 - 2000 Leiterin des Designateliers der Konrad Hornschuch AG Weißbach , 1998 - 1999 Ausbildung zur Farbberaterin, 2000 - 2003 Leiterin des Designateliers der Pfleiderer AG in Neumarkt, seit 2003 Leiterin des Designateliers der Renolit AG in Worms


Du warst Leiterin der Designaktivitäten in mehreren großen Unternehmen, die Flächendekore benötigen. In dieser Position hast du mit freiberuflichen Designerinnen und Designern zusammengearbeitet. Wie geht dies vor sich? Wie kommen Designer mit großen Unternehmen zusammen?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um mit Designern zusammen zu kommen: Ich kann auf den Messen Dessins aussuchen, auf der Ambiente und der Heimtex. Da zeigen Textildesigner ihre Entwürfe in großen Stapeln. Sie sind nicht thematisch sortiert. Ich gucke mir die ersten fünf Sachen an und wenn es mich langweilt, gehe ich weiter. Wenn ich etwas finde, was spannend ist, blättere ich und gucke genauer. Es entscheidet manchmal, was obenauf liegt.
Und es gibt Agenturen. Die Agenten vertreten vier bis fünf Designer. Sie arbeiten wie Vertreter, kommen ins Haus und sind in der Regel nicht kompetent, was das Design anbelangt. Sie wollen das Design, so wie es ist, vom Tisch weg verkaufen. Das ist in den meisten Fällen für mich nicht brauchbar.
Interessant ist die große Agentur von Jennifer Sanderson in Nottingham. Sie ist Textildesignerin und arbeitet bestimmt schon seit 30 Jahren mit großen Firmen. Sie hat an die 50 sehr junge Leute in ihrer Agentur, die als Freiberufler bei ihr Entwürfe machen. Jennifer Sanderson korrigiert und vertritt sie. Sie hat die Kreativität der Jungen und gleichzeitig die Professionalität, die zu vermarkten und an die Bedürfnisse der Kundschaft anzupassen. Sie hat viel Produktionserfahrung, das ist sehr selten. Sie holt die Jungen auch zu den Besprechungen dazu und versucht ihnen beizubringen, wie man selbstständig arbeitet. Sie war mehrmals im Betrieb, hat sich zuerst die Produktion angeguckt, das Programm und wie das präsentiert wird. Sie brachte Entwürfe und ich habe etwas ausgesucht. Wenn wir dann gemerkt haben, dass das nicht funktioniert, hat sie es umgebaut. Es gab einen zweiten Entwurf, das ging sehr flott, und nach der dritten Korrektur war die Sache gut. Daran waren dann auch die Designer beteiligt, die den ursprünglichen Entwurf gemacht haben, aber sie hat das Ganze gemanagt. Wir bezahlten für den Entwurf eine Summe. Dieselbe Summe wurde nochmals bezahlt, wenn wir ihn realisiert haben. Das waren damals vielleicht insgesamt 2000 Mark.

 

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