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form+zweck 2+3

Noch einmal: Ökologie, noch einmal: Recycling, noch einmal: DDR

 

 

Ulrike Küster | Martin Sacher

Britzer Brücken

 

Im Rahmen eines studentischen Ideenwettbewerbs sollte ein städtisches Betriebsgelände, der U-Bahnbetriebsbahnhof Britz, mit 500 bis 1000 Sozialwohnungen, einer Schule, Kindertagesstätten und öffentlichen Einrichtungen überbaut werden.
Ausschlaggebend für diese Idee der Initiatoren, unter anderem mehrere Berliner Wohnungsbaugenossenschaften, war das Argument, daß durch die Bodenpreissituation in Berlin die Mehrfachnutzung städtischer Gewerbegebiete trotz des enormen technischen Aufwandes eine billigere Alternative zum nicht mehr realisierbaren Grundstücksneuerwerb darstellt.

Die Situation ist schizophren; immerhin sollte der Wohnungsbau das bei weitem wichtigste bauliche Anliegen einer Stadt sein. Sie bedarf jedoch vielmehr einer politischen Lösung als einer architektonischen. Unter diesem Aspekt wäre die Annahme der Aufgabe prinzipiell abzulehnen gewesen. Es gibt jedoch ein weiteres Argument, das die Überbauung von innerstädtischen Gewerbegebieten sinnvoll erscheinen läßt: die effektivere Nutzung des vorhandenen Stadtgebietes, um einem Ausufern der Städte und einer Zersiedlung des Umlandes entgegenzuwirken. Insofern war es auch Anliegen, ein Lösungsprinzip zu finden, das für adäquate Aufgaben anwendbar bleibt.

Im konkreten Fall Britz waren vor allem folgende Probleme zu lösen:
1. Wie erreicht man "ohne Bodenberührung" und trotz der durch den Bahnhofsbetrieb entstehenden Emission (vor allem Lärm) eine hohe Wohnqualität, ohne die an sich widrigen Umstände wegzleugnen, sondern vielmehr unter deren Einbeziehung ?
2. Welche Konzepte bieten sich für ein möglichst geschlossenes Energiesystem, für die technische Ver- und Entsorgung, für die infrastrukturelle Anbindung an die Umgebung sowie für eine technische und soziale Binnenstruktur an ?
3. Welche technischen Möglichkeiten gibt es, um die Dimensionen, vor allem die Höhe, zu minimieren ?
4. Wie kann der durch die technischen Rahmenbedingungen (notwendige Spannweiten, lichte Höhen, Konstruktionshöhen usw.) bedingte enorme Dimensionsbruch zwischen Überbauung und vorstädtischer Umgebung städtebaulich-ästhetisch bewältigt werden ?
5. Wie gleicht man die gewaltige, technisch notwendige Makrostruktur durch eíne menschliche, möglichst intime Mikrostruktur aus, ohne daß der erlebbare Zusammenhang zwischen Prinzip und Detail verlorengeht ?

Bis zuletzt ungeklärt und ohne eigentliches Ergebnis diskutiert bleibt die Frage, ob solche relativ technischen Wohnformen überhaupt menschlich zu lösen seien. An der Art und Weise der Polemik von Befürwortern und Gegnern des Konzeptes zeigte sich, daß die Annahme solcher Wohnformen weit mehr als in anderen Fällen trotz aller Optimierungsversuche auch eine Mentalitätsfrage bleibt.

 

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