s_fz2_3klein.jpg

 

form+zweck 2+3

Noch einmal: Ökologie, noch einmal: Recycling, noch einmal: DDR


 

 

Jörg Petruschat

Editorial

 

Noch einmal: Ökologie. Noch einmal: Recycling. Noch einmal: Exitus DDR.

Ein »Noch-einmal-Heft« - muß das sein?

Es muß. Mißtrauisch allen Lösungen gegenüber haben wir in zwei Richtungen gesucht: Was sagen die »Alten«, jene »Modernen«, die mit dem Pathos der sozialen Verantwortung groß gewordenen sind, zu den heutigen Weltlagen. Und: Wie gehen die »Jungen« mit sozialen und ökologischen Problemen um? Auf den ersten Blick hat die »Ökologie« ihre Faszination verloren: der immer wieder in allen Medien hochgekochte Brei »ökologischer Bedrohungen« hat die Wahrnehmung stumpf gemacht, das Aufsaugen des Themas durch etablierte Parteien und Unternehmen paralysiert kritisches Denken und Entwerfen: wie schön ist es, endlich wieder affirmativ mit allem sein zu können. Nicht lange, und der »Jäger 90« erhält den Grünen Punkt - Designer habens möglich gemacht. Wem aber die Wiederaufbereitung strategisch gesetzten Schrotts aus Pazifismus nicht schmeckt, der kann ja filterfrei kiffen - was übrig bleibt, ist naturreines anonymes Design.

Bei einem solchen Stand der Dinge blenden die meisten ab und aus. Wie einfach doch war es vor dreißig, wie simpel noch vor siebzig Jahren. Da war die »gute« Form gefragt, da gab es noch die Bedürftigen, da war man als Designer noch wer, da duellierte man sich noch mit den »bösen« Dingen, da wußte man noch, was »Kitsch« ist.

Der Designer heute ist - so scheint's - eine Erfindung der Medien und er braucht die Medien, um Designer zu bleiben, um wenigstens den Anschein seines Berufes zu wahren. Deshalb auch ist er, und was er tut, so schön kreativ. In der Wirklichkeit gibt es ihn nicht mehr, die ist vollgestapelt, vollgezweckt mit ausgeformten Dingen - in jedem Raumsegment fein aufeinander abstimmbare Lebens- und Unterhaltungsgestelle. Heute steckt der Gestalter wie jeder andere Konsument im Strudel der Dingwelten, festgekrallt an einem Rettungsring, auf dem in wohlproportioniertem Schwarz-Weiß-Rot die Atelier-Adresse prangt.

Galt für die erste Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts das Auto-Mobil und die Auto-Bahn als Wunschbild gesellschaftlichen Reichtums, so ist es heute eine Synthese aus Walk-Man und Joy-Stick. Das Ziel heißt nicht mehr, überall hinzukommen, sondern aus der gezwungenen Unbeweglichkeit das Beste zu machen. Rumsitzen mit Spaß. Angedeutet hat sich das alles ja schon lange: in den Fußballstadien, im Bundestag, vorm Fernseher.