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form+zweck 2+3

Noch einmal: Ökologie, noch einmal: Recycling, noch einmal: DDR

 

 

Gerhard Cordes

Man muss faul sein können

 

form+zweck

Heute arbeitest Du als Gestalter in einer Societät. Was ist das Besondere dieser Societät gegenüber anderen Büros?


Cordes

Die Besonderheit unserer Arbeitsgruppe gegenüber anderen Büros sehe ich in Folgendem: es gibt keinen Boss, keine Knechte, keine Arbeitsteilung, es gibt Diskussionen unter Gleichberechtigten, Respektierung der persönlichen Eigenheiten und Schrullen, geringe ökonomische Effektivität.


form+zweck

Bei selbstbestimmter Arbeit, wie ihr sie praktiziert, steht man schnell »an der Kante« - werden die Aufträge zu schlecht bezahlt?


Cordes

Selbstbestimmt - soweit das bei Industriedesignern überhaupt möglich ist. Die Aufträge werden (meistens) nicht schlecht bezahlt, aber wir arbeiten oft zu viel oder zu uneffektiv. Wichtiger als as ist aber etwas anderes: Zwischen zuviel und zuwenig Geschäft gibt es keinen Mittelweg. Haben wir viele Aufträge, müssen wir von den Etats freie Mitarbeiter bezahlen, haben wir wenig Aufträge, reichts erst recht nicht. Immerhin haben wir mit einigen Auftraggebern nachträglich Nutzungsverträge schließen können. Dadurch fließen uns, zum Teil nur vorübergehend, Stücklizenzen zu, die uns etwas mehr Spielraum für Eigenentwicklungen verschaffen.


form+zweck

Du gehörst zu den letzten, die vor der Schließung der HfG in Ulm studiert haben. Warst Du ein Ulmer und bist Du es heute noch?


Cordes

Ja, ich fühle mich als »Ulmer«, trotz meiner kurzen Verweilzeit dort. Es ist die ideelle Zugehörigkeit zu dieser Gemeinde im Geiste der Demokratie, der Aufklärung der Vernunft, der Gerechtigkeit, der Kritik. Das alles ist mir auch heute noch wichtig und deshalb fühle ich mich angesichts der Vermodungstendenzen und der (von Klotz verkündeten) Losung »Fiktion statt Funktion« sehr unwohl.


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Welche Folgen hatte die Schließung der HfG für die Designlandschaft der Bundesrepublik?


Cordes

Die Schließung der HfG war Ausdruck ihrer Überlebtheit: als Institution konzentrierter Bemühungen um Gestaltung im Sinne der oben genannten Ziele war sie nicht mehr gefragt, als sich der Anbieter- zum Käufermarkt wandelte. Ihre Ziele werden seitdem - durchaus effektiv - in der Auseinandersetzung mit der (kapitalistischen) Realität an einer Reihe von Designschulen vertreten, an denen ehemalige Dozenten und Studenten bis heute wirken. (Der Vergleich mit der frühchristlichen Diaspora liegt nahe.)

 

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