s_fz4_5klein.jpg

 

form+zweck 45

Visuelle Kommunikation. Information Design

 

 

Anke Feuchtenberger | Holger Fickelscherer

Keine anonymen Sachen!

 

form+zweck
Zwei Themen spielen eine zentrale Rolle bei Euch, das sind Frauen und das sind Ausländer. Seid Ihr agitatorisch veranlagt?

Fickelscherer
Ich bin kein Agitator, ich reflektiere nur meine Erlebnisse. Ich möchte eigentlich gar nichts. Vielleicht ist es einfach nur mein Blick, der nach außen hin interessant erscheint, der eine Frage aufwirft, vielleicht meine Beobachtungsgabe, mein Eindruck, den andere Leute vielleicht nicht haben.
Mein Interesse ist nicht, aus oder über Frauen was zu machen und genauso wenig über oder von Ausländern. Für mich ist es die Realität.

Feuchtenberger
Für mich ist das kein Thema. Ich bin eine Frau und damit Basta. Ich sehe auch gar nicht, daß das so begrenzt ist. Das Agitatorische ist eine Seite an mir, die ich nicht mag.

Fickelscherer
Das liegt vielleicht auch an einer gewissen Hartnäckigkeit oder am Ernst, mit dem man seine Sachen betreibt. Wenn man dann auch noch realistisch ist, wirkt es manchmal agitatorisch.

Feuchtenberger
Aber ich denke, nicht pur, das bricht sich von selber: Zum Schluß, wenn man es anschaut, kann man nicht sicher sagen, ich bin agitiert worden.

form+zweck
Ihr habt gesagt, Ihr reagiert auf Realitäten, andererseits arbeitet Ihr, wie es uns erscheint, mit so einer apparatehaften Sicht. Da wird dann mal ein Zoom gemacht oder da wird in irgendeiner Weise Fernsehsicht in den Bildern ironisch verhandelt. Wo liegt der Erfahrungshintergrund von dem, was da gezeichnet wird? Ihr bildet doch nicht einfach Realitäten ab?

Fickelscherer
Das Phantasieren spielt schon eine wichtige Rolle, daß man aufgrund dieser realen Eindrücke, sich doch seine Realität schafft, indem man aber eben mischt. Auf dem Papier, wie im Film, da arbeitet man ja auch nur mit zwei Dimensionen: Die Feder ist der Trichter, der dann alles neu sortiert und die da Realität schafft, die aber nicht unreell ist.

Feuchtenberger
Ich habe jahrelang ganz intensiv nach der Natur gezeichnet und einfach versucht, Objekte von verschiedenen Blickwinkeln, von oben, von der Seite, von unten, dann kommt das wahrscheinlich ähnlich wie mit der Kamera, wo man ständig irgendwo rumgeht. Wichtig ist doch, daß man sich einem Punkt immer wieder von verschiedenen Seiten nähert.

form+zweck
Manche eurer Sachen sind sofort verständlich, andere überhaupt nicht, auch nach dem zehnten Angucken nicht.

Fickelscherer
Das ist meine Realität. Ich mache mir erstmal meine Gedanken. Ich denke da nur an mich. So einen Strip sauge ich mir nicht aus den Fingern. Und es gibt immer Leute, die hören mir zu und es gibt Leute, die hören mir nicht zu, als wenn ich eben in der Kneipe sitze und den Leuten die Strips erzähle. Für mich ist ein Comic eine Geschichte, eine Episode vielleicht nur, auch nur eine Pointe. Die Pointe ist die Sache, worüber man lacht. Ein Comic ist für mich eine Geschichte, ein Eindruck, eine Erfahrung, die man probiert in Bildern darzustellen oder vielleicht auch zu bewältigen. Imagination.
Die Komik in den Bildern, die ist für mich schon da. Darüber kann ich nicht sprechen. Mir geht's einfach ums Faßbare. Ich arbeite nicht abstrakt. Das ist für mich realistisch.

 

... lesen Sie weiter in form+zweck 4+5: Visuelle Kommunikation. Informations Design ...