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form+zweck 45

Visuelle Kommunikation. Information Design

 

 

Markus Schmölz

Mein Vater sieht aus wie Elvis Presley

 

Sissa Marquardt und Markus Schmölz sind Inhaber des BIZARR Verlages in München. Das Zweieinhalb-Personen-Unternehmen produziert und gibt Postkarten heraus, vertreibt Videos und stellt Sound-Kassetten her. Beide kommen aus Berufen, die mit Grafikdesign nichts zu tun haben. Ursprünglich wollten sie ein Buch mit Graffitis herausgeben. Als sich niemand fand, versuchten sie es selbst. Danach wurden aus den Bildern des Buches Postkarten ... Daraus hat sich dann der BIZARR Verlag entwickelt.

form+zweck
Viele Gebrauchsgrafiker arbeiten heute mit dem Computer. Dies ist nicht selbstverständlich: Im Moment gibt es unter den Grafik-Designern eine harsche Diskussion darum. Es entsteht der Eindruck, daß die allgemeine Zugänglichkeit zu Computer und Grafikprogrammen und die daraus entstehenden Produkte als ein ziemlich existentieller Angriff auf ihr Gewerbe empfunden wird. Jeder beliebige Mensch bekommt offenbar mit dem Computer ein Mittel in die Hand, mit dem er relativ unkompliziert und schnell in ihrem Gewerbe rumpfuschen kann.

Schmölz
Was heißt rumpfuschen?

form+zweck
Das ist es ja. Wir sind jetzt dabei, uns über die Kriterien, die da angeführt werden, klarzuwerden und andererseits die zu formulieren, die wir angesichts der technologischen Veränderungen als gültig betrachten könnten. Ihr seid für uns deshalb interessant, weil Ihr Euch außerhalb des professionellen Rahmens bewegt. Wie habt Ihr angefangen und worin besteht Euer Konzept?

Schmölz
Wir wollten nichts machen, was irgendwie bleibenden Wert hat. Es sollten Gebrauchs-, besser Verbrauchsgüter sein. Unter diesem Gesichtspunkt haben wir eine Zeitlang auch Zeitschriften gemacht. Da konnte man Sachen raustrennen und rausschneiden und zum Schluß war von der Zeitschrift nichts mehr da. Man konnte zum Beispiel Würfel basteln, da waren Spiele drin, Karten zum Herausnehmen - die Zeitschrift war, wenn man alles gemacht hatte, einfach kaputt. Grobkonzept war das Wegwerfprodukt. Dieses Kunstsammeln kann ich nicht leiden. Etwas ist schön, dann ist es für den Moment schön, wo ich es gebrauche. Mit großem Aufwand wird etwas ausgestellt und in Museen angehäuft und was man sieht, ist banal. Installationen an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit, die sich so nicht wiederholen lassen und sich damit gegen das Sammeln wehren - das ist eine Idee. Überhaupt dieses Sammeln und Anhäufen von allem Möglichen mit dem Gedanken, es könnte ja einmal wertvoll werden und dann besitze ich etwas, was keiner sonst hat. Dagegen habe ich etwas. Unser Ziel ist Kommunikation. Das waren für uns dann die Postkarten. Fast gleichzeitig dazu kamen die Kalender, weil, wir wollten oder konnten doch nicht ganz weg kommen von den Büchern und da haben wir gedacht, machen wir doch ein Gebrauchsbuch. Ein Bilderbuch mit Postkarten zum Heraustrennen. Es war also wieder das gleiche Konzept: Du hast ihn ein Jahr lang und dann schmeißt Du ihn weg.
Die Postkarte ist eine ganz eigene Form. Sehr wenige Künstler lassen sich überhaupt darauf ein. Die meisten Künstler betrachten Postkarten als etwas Minderwertiges. Postkarten müssen entworfen werden. Reproduktionen sind für Postkarten eigentlich ganz ungeeignet. Es gibt Künstler, mit denen wir schon seit Jahren zusammenarbeiten. Ein Drittel etwa machen wir selbst, zwei Drittel sind von anderen Leuten. Dabei sind wir sehr offen. Der Stil ändert sich also immer, je nachdem, was man für Leute kennenlernt. Da ist kein Plan dahinter. Das hängt von den Leuten ab, die Lust haben, da irgendwas zu machen.

 

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