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form+zweck 45

Visuelle Kommunikation. Information Design

 

 

Thomas Rurik | Michael Burke

Was ist information design?

 

Wir bezeichnen das Arbeitsfeld der visuellen Kommunikation als visuelle Informationsgestaltung, bei der die Fähigkeit im Vordergrund steht, bildliche Mitteilungen in kommunikativen Prozessen verstehbar und verständlich zu machen. Visuelle Informationsgestaltung bezieht sich auf alle Bereiche der Öffentlichkeit, heißt immer auch Aufklärung für eine gesellschaftliche Öffentlichkeit.
Der Terminus »information design«, der in der englischen, amerikanischen und österreichischen Entwurfs- und Gestaltungspraxis traditionell vorherrscht, meint heute weitgehend ein technisches, formalisiertes Arbeitsgebiet.
Demgegenüber verstehen wir unter »visueller Informationsgestaltung« ein Arbeitsfeld, in dem soziale, kulturelle und ökonomische Aspekte gestalterisch zu vermitteln sind. Dabei knüpfen wir an die Tradition der »Wiener Bildstatistik« (später ISOTYPE), die rational-analytische Entwurfs- und Gestaltungsauffassung des Bauhauses und der Ulmer Hochschule für Gestaltung an.
Sowohl didaktisch-pädagogische, politische und soziologische Grafik wie normativ-kritische visuelle Kommunikation sind elementare Bestandteile der visuellen Informationsgestaltung. Die Funktionen und Aufgaben beziehen sich auf die Erhöhung des Bildungsstandes einer Gesellschaft, den Beitrag zur Analphabetenaufklärung und die Überwindung von unterschiedlichen Kultur- und Sprachbarrieren durch Brückenschlag.
Die Gestaltung visueller Kommunikationsbeziehungen war und ist sowohl Veränderung und Verbesserung der gesellschaftlichen Sprache, der Bilder und der Zeichen, als auch Arbeit an einer Kultur sozialer Beziehungen im Bereich des Zeigens und Sprechens.
Informationsentwerfer und -gestalter sind Konstrukteure der Gesellschaft. Die Gesellschaftstechniker fragen nach Gebrauchswert, Nutzen und tatsächlichem Funktionieren kommunikativer Beziehungen und Akte. Erst im intersubjektiven Gebrauch stellt sich heraus, ob Botschaften auch sozial funktionieren. Der Gebrauchszusammenhang als Gegenstand von Informationsgestaltung ist bestimmt durch die Frage, was, wie, wozu, wofür und warum als visuelle Aussage oder Botschaft im Rahmen von gesellschaftlicher Öffentlichkeit transportiert werden soll. Kriterien für die Bewältigung dieser Aufgabe sind: Glaubwürdigkeit und Verständlichkeit, sowie die soziale Funktionsqualität der Mitteilungsform.

Methode der visuellen Informationsgestaltung
Der visuelle Entwerfer und Gestalter konstruiert die bessere und richtigere Sichtbarkeit und Lesbarkeit der Welt. In Zukunft ist der visuelle Informationsgestalter ein Ingenieur der visuellen Kommunikation (visual engineer). Ihm kommt die primäre Aufgabe zu, mithilfe visualisierter Inhalte unsere Kommunikationsprobleme zu lösen.
Entgegen den verbreiteten Versuchen, die Welt und Wirklichkeit visuell zu verkomplizieren, trägt der visuelle Ingenieur dazu bei, anhand von methodischen Kriterien Ordnung in die sichtbare Welt zu bringen. Die Methodik der Entwurfs- und Gestaltungspraxis ist analytisch-kritisch, rational, sachlich, konstruktiv, experimentell, konzeptionell und normativ. Ihre wesentlichsten Arbeitsschritte bestehen in der Problemstrukturierung, Problemanalyse, Problembewertung und der gestalterischen Problemübertragung, Problemübersetzung oder Problemtransformation. Die visuelle Informationsgestaltung folgt grundlagentheoretisch dem Methodenspektrum des Projekts der Moderne und bleibt den Traditionen der europäischen Aufklärung treu.

 

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