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form+zweck 6

Design. Begriff und Berufsbild

 

 

Gui Bonsiepe

Die sieben Säulen des Design

 

Ich möchte diese Gelegenheit dazu nutzen, skizzenhaft einige Überlegungen zu drei Themen vorzutragen, und zwar:

1. Die Perspektiven des Design für die kommenden zwei bis drei Jahrzehnte

2. Die Designausbildung, und zwar über ein neues Paradigma der Designausbildung

3. Multimedien und Hypermedien

Ich ziehe den Ausdruck »Hypermedien« dem Wort »Multimedien« vor. Warum? Weil es sich nicht um die Kombination von herkömmlichen Kommunikationsformen in Form von Text, Bild (oder Graphik), Video und Ton handelt. Vielmehr indiziert der Ausdruck Hypermedien eine neue Interaktionsweise zwischen Benutzer und Informationsräumen und bringt neue Rezeptionsformen mit sich. Wir haben für diesen Benutzer noch keinen neuen Fachausdruck.

Diese neue Kommunikationstechnologie, deren Möglichkeiten nicht einmal ansatzweise weder theoretisch noch praktisch erschlossen sind, eröffnet gerade für das Design eine Herausforderung und verlangt neue Ansätze in der Designausbildung, die ich, ohne übertreiben zu wollen, als radikal bezeichne. Soweit ich die Ausbildungsprogramme des Designs kenne, sind sie nicht darauf angelegt, Studenten Kompetenz zu vermitteln, um erfolgreich in diesem neuen Bereich tätig zu sein. Das hat mit der Tradition der Designausbildung zu tun, die immer noch, trotz Ulm und Post-Ulm, überwiegend skill-orientiert ist, das heißt, auf Vermittlung von Handfertigkeiten angelegt ist.

Ich möchte einem möglichen Mißverständnis vorbeugen. Es liegt mir fern, die Fertigkeiten eines Berufs unterbewerten oder gar abwerten zu wollen. Nur will mir scheinen, daß Tätigkeiten, die vornehmlich auf Fertigkeiten beruhen, das heißt, Standardpraktiken effizienten Handelns in einem bestimmten Bereich, angesichts der heutigen ununterbrochenen Innovationsschübe in eine Krise geraten. Berufe, die nichts weiter als Fertigkeiten anbieten können, haben meiner Ansicht nach keine Zukunft.

Eine Designausbildung, gleich in welchem Bereich, sei es Industriedesign, Graphikdesign, Architektur, Verpackungsdesign, Hypermedien und dergleichen, die unter dem Paradigma der Vermittlung von Fertigkeiten steht, verbaut sich die Zukunft. Um kompetent handeln zu können, bedarf es mehr als Fertigkeiten oder Routinepraktiken.

Um die Möglichkeiten der neuen Technologie der Hypermedien einschätzen zu können und den Bereich der Hypermedien in das Design einzubringen, halte ich es für erforderlich, das gängige Designverständnis zu hinterfragen und das Design einem Reassessment zu unterwerfen. Ich gestehe freimütig, daß mich keine der mir bekannten Kennzeichnungen des Designs bedingungslos befriedigt. Ich werde später eine Skizze vortragen, die ich vorläufig »Die sieben Säulen des Design« nenne. Man kann nach den Vorläufern der Hypermedien als neuer Kommunikationsform mittels Text, Bild, Video, Ton suchen. Zum Beispiel Wagner-Opern kommen in ihrer synergetischen Kopplung von graphischen Elementen (Bühnenbild), Sprache (Partitur der gesungenen Texte), Musik und Handlung den Hypermedien phänomenologisch nahe, allerdings mit einem fundamentalen Unterschied: eine Oper ist sequentiell angeordnet, wogegen die notes (Informationsknoten) der Hypermedien mittels Verzweigungen vernetzt sind, also von der Konzeption her nicht-sequenziell strukturiert sind.


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