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form+zweck 6

Design. Begriff und Berufsbild

 

Charles Owen

Sonne, Mond und CO²

 

Der Prozeß der globalen Erwärmung oder Treibhauseffekt wird durch die absorptiven Eigenschaften mehrerer atmosphärischer Gase verursacht, in erster Linie durch Kohlendioxid, in geringerem Maße durch Methan und zu einem gewissen Grade durch Lachgas, Fluorchlorkohlenwasserstoffe und durch andere in der Atmosphäre in Spuren enthaltene Gase. Obwohl diese Gase für die Strahlungsenergie im sichtbaren Spektrum durchlässig sind und deshalb das Sonnenlicht zur Erde gelangen lassen, absorbieren sie die Strahlungsenergie im infraroten Spektralbereich. So wird die auf der Erde erzeugte Wärme, die sonst in den Weltraum abstrahlen würde, absorbiert und durch die Treibhausgase auf die Erde zurückgelenkt.

Unter normalen Bedingungen trägt dieser Vorgang zur Aufrechterhaltung eines lebensförderlichen Klimas auf der Erde bei. Da diese Gase trotz eines Anteils von weniger als 1% in der Atmosphäre eine so wichtige temperaturregelnde Funktion ausüben, hat die Vergrößerung ihres Anteils schwerwiegende Konsequenzen. Normalerweise werden der Atmosphäre auf natürlichem Wege durch die Photosynthese und die physikalisch-chemische Diffusion von Kohlendioxid in die Meere etwa 225 Milliarden Tonnen Kohlenstoff entzogen. Annähernd die gleiche Menge wird an die Atmosphäre zurückgegeben. Der Mensch hat dieses Gleichgewicht gestört. Ein Nettoüberschuß von 3 Milliarden Tonnen Kohlenstoff pro Jahr ist die Hauptursache des Treibhauseffektes.

In der Eliminierung dieser 3 Milliarden Tonnen liegt das Problem. Aber Probleme dieser Größenordnung sind schwer zu erfassen. Zwei scheinbar unerhörte Feststellungen deuten die Dimensionen an:

1. Geldausgaben in jeder beliebigen Menge werden sich dennoch auszahlen! Die Kosten für die Reaktion auf einen auch nur mäßig angesetzten Anstieg der Ozeane oder die Verwandlung der Landwirtschaftsgürtel der Welt sind unvorstellbar, und jede Lösung, die solche Ausgaben verhindert, ist kostengünstig.

2. Wegen der durch Zeitverluste entstehenden Kosten gelten die üblichen Regeln der Wissenschaft nicht! Jonathan Schell in der »Discover«-Ausgabe vom Oktober 1989: »In der Vergangenheit wartete man vor dem Handeln auf die Bestätigung der Theorie durch unumstößliche Beweise. Jetzt sind die Kosten von Irrtümern in einer sich ausweitenden Entscheidungssphäre so exorbitant, daß wir allein auf theoretischer Grundlage handeln müssen - was heißen soll: allein auf Grund von Vorhersagen.«

Teils deshalb, weil das Problem so gewaltig ist, ist es schwierig gewesen, sich ein Bild von plausiblen Lösungsansätzen zu machen. Das Ergebnis ist Zuflucht zu »negativen« Lösungen - Aktionen, mit dem Schluß zu machen, was uns in die gefährliche Lage gebracht hat. Die am häufigsten bezeichneten Aktionen sind die Abholzung der Regenwälder und unseres so verschwenderischen Umgangs mit Energie. Diese Ideen sind hilfreich, aber doch himmelweit von den Großprojekten entfernt, die nötig sind, um die Lage zu wenden.

 

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