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form+zweck 6

Design. Begriff und Berufsbild

 

 

Gerhard Cordes

Von Rotwein und Brezeln zu Sekt und Kaviar -

 

form+zweck

Du denkst seit geraumer Zeit über das Berufsbild des Designers nach. Hängt das damit zusammen, daß die Zeiten, in denen noch mit gutem Gewissen für Funktionalität und Gebrauchswert gekämpft werden konnte, vorbei zu sein scheinen?


Corde

Ich bin seit einiger Zeit der Meinung, daß die Designer über ihr Berufsbild nachdenken sollten. Bei einem solchen Nachdenken hätte ich gern mitgemacht. So etwas allein zu tun, liegt mir nicht besonders. (Ein Resultat solchen Nachdenkens lege ich bei.)

Die Bereiche, in denen man sich mit gutem Gewissen für Funktionalität und Gebrauchswert einsetzen kann, sind klein geworden. Zu viele Produktbereiche sind wegen ihrer Herstellungsbedingungen, einer vom Privatbesitz bestimmten Gebrauchsweise und ihrer grundsätzlichen Daseinsberechtigung fragwürdig geworden.


form+zweck

Vor zehn Jahren bestand eine Vision darin, daß CAD und CIM die Formen und Inhalte von Entwurfsarbeit revolutionieren würden. Heute sieht es so aus, als sei alles beim alten geblieben, obwohl in jedem Designbüro ein Computer steht. Trotzdem sind die Erwartungen, daß sich mit dem Computer die Designarbeit grundsätzlich wandelt, nicht unbegründet.


Cordes

CAD und CIM sind Mittel, um banale Standardprodukte zu erzeugen (Kaffeemaschinen, Staubsauger und dieser ganze Krempel).

Für konzeptionelles Entwerfen sind diese Mittel so unangemessen wie Zeichenmaschinen für die Formfindung. Zum »Reißbrettdesign« ist nun auch das Computer Aided Design gekommen.

Wenn ein Kollege vorschwärmt, mit CAD und CIM sei eine Lockenwickelmaschine von der ersten Skizze bis zu den Werkzeugzeichnungen in vier Wochen erstellt worden, dann begreift doch jeder, worin der wirkliche Nutzen dieser Mittel liegt.


form+zweck

Nicht nur ökologische Diskussionen zeigen, wie sehr jede Gestaltungsaufgabe in ein ganzes Netzwerk von Anforderungen eingebunden ist. Nötigen die komplexer werdenden Gestaltungsaufgaben dem Designer mehr fachspezifische oder eher eine all-round-Kompetenz ab?


Cordes

Die fachspezifische und die all-round-Kompetenz sehe ich nicht als Gegensatz. Worauf es ankommt, ist die Fähigkeit, sich immer wieder in neue Gebiete einzuarbeiten. Das geht zum Glück im Lauf der Zeit immer besser, wenn die Motivation da ist. (Und da sind wir wieder bei Punkt 1).


form+zweck

Ein guter Grund über die Neuformulierung des Berufsbildes nachzudenken, ist durch die enttäuschten Erwartungen und den nachfolgenden Frust über die Wirkungsmöglichkeiten des Designers gegeben. Gibt es neben der Enttäuschung und Desillusionierung noch weitere Gründe?


Cordes Woran die Produktgestaltung (das Industrie-Design) krankt - eine ganz unsystematische Diagnose:


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