s_fz7_8.jpg

 

form+zweck 78

Mitgedacht – dabeigewesen, kleine Weltlaterne, Urbanität

 

Andreas Schneider

Wider der Ignoranz

 

form+zweck

Du hast Dich entschlossen, für einige Zeit in Japan als Designer in der Ausbildung zu arbeiten. Woher kam die Neugierde?


Andreas Schneider

Ich wußte sehr wenig über Japan und es hat mich gereizt, in einem solchen Umfeld zu arbeiten. In einer global vernetzten Welt müssen wir doch früher oder später aufstehen und uns auf den Weg machen, bevor wir von der Ignoranz der Bildschirme überwältigt werden. Ich hatte nur ganz wenige Informationen über Japan - obwohl ich ja mit vielen japanischen Artefakten umgeben bin, die in mein Leben eindringen. Wir wissen nicht, was jenseits dieser Geräte gedacht und getan wird. Zwischen Japan und der Welt findet die Kommunikation ja vor allem im wirtschaftlichen Bereich statt. Trotz des Überflusses an Informationen durch die Medien gelingt es uns kaum, Verständnis oder auch nur Neugier über das bereits irgendwie so oder so Bekannte hinaus zu finden. Ich wollte nach dem suchen, was hinter den Produkten liegt, nach den Ideen und nach den Menschen, die diese Dinge schaffen.

Es fällt mir sehr schwer, jetzt etwas über eine so fremde Kultur zu sagen. Ich weiß, wie schnell man sich Mißverständnisse im Kopf zusammensteckt. Das, was ich sagen kann, ist nichts Endgültiges, keine These über das Japanische, es ist nur ein Geflecht von Beobachtungen. Ich möchte, daß sich jeder auf den Weg macht, um sich sein eigenes Bild zu verschaffen.


form+zweck

Aus europäischer Sicht wird Industrialisierung, technologischer Fortschritt, Modernisierung in Japan fraglos euphorisch gesehen. Gibt es in Japan auch einen kritischen Diskurs zu diesen Themen unter den Designern?


Andreas Schneider

Da ich keine Zeitschriften, nichts lesen kann, entgeht mir all das, was geschrieben wird. Diese Ignoranz ist unverantwortlich.

Ich glaube schon, daß es ein kritisches Denken gibt, das das bloße Produzieren, den schnellen Produktionszyklus hinterfragt und nach Alternativen sucht.

Green design oder eco design ist zu einem marketingfähigen Schlagwort geworden. In den großen Firmen werden inzwischen auch Abteilungen eingerichtet, die grüne Produktstrategien entwickeln sollen. Die Frage ist, wie überall auf der Welt, wie ernsthaft diese grünen Bekenntnisse sind. Oft scheint es einfach wichtig zu sein, einen grünen Aufkleber auf dem Produkt zu haben.

Aber es gibt auch eine Bewegung, in der sich junge selbstständige, aber auch angestellte Designer zu einem Netzwerk zusammengeschlossen haben, um gemeinsam zu überlegen, auf welcher Weise sie ökologische Verantwortung übernehmen können und wie sich ihr jeweiliges Arbeitsumfeld ändern müßte. Sie fragen sich, ob sich der Designer in Zukunft mit dem Ende der Produktion mehr als Entwerfer von recycle- Prozessen denn als Entwerfer einzelner Produkte begreifen müsste. Sie suchen nach dem neuen Berufsbild des Designers.


form+zweck

Woher kommt die Unzufriedenheit?


Andreas Schneider

Ich glaube, es ist weniger eine Unzufriedenheit als vielmehr die wachsende Erkenntnis, daß man nicht nur auf einer Insel lebt, sondern in einem globalen Zusammenhang, auf der Erde.


... lesen Sie weiter in form+zweck 7+8: Mitgedacht - Dabeigewesen, kleine Weltlaterne, Urbanität ...