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form+zweck 78

Mitgedacht – dabeigewesen, kleine Weltlaterne, Urbanität

 

 

 

Heiko Bartels | Hardy Fischer | Harald Hullmann

Zwischen Kathodenstrahl und Kristallglas der Monitore

 

Die Designgruppe Kunstflug besteht seit 1980. Wir haben vorrangig entworfen und uns bewußt selten mit Texten geäußert, da der Entwurf unser wesentliches Medium ist. Unsere Entwurfsarbeit sehen wir als Reflexion der Situation im Industrie Design der 80er Jahre. Dies ist immer aber auch eine persönliche Position, da der Entwurf eine verhältnismäßig geringe Abstraktion hat.


Der persönliche Ausgangspunkt

Die Kunst bei Kunstflug ist die Kunst des Kunsthonigs und die Kunst des Kunststoffes. Die Kochkunst und auch alle von der offiziellen Kunstkunst geächteten Zwischenzonen wie Kunstflug und Kunstgewerbe werden von uns als schwankende Böden gewünscht und geliebt.

Ausgangspunkt unserer Vorstellungen von Design liegen in den 70er Jahren; es ist die Poparchitektur mit ihrer utopischen Überhöhung des Alltags, wie sie vertreten wurde von den Gruppen Archigramm, Superstudio, Haus Rucker & Co.

Wir selber haben 1973 als Gruppe Dreistädter in Köln mit dem Architekten Hanno Schimmel einen Architekturwettbewerb zur Gestaltung der U-Bahn Bonn mit einer lupenreinen Poplösung gewonnen, die aber nicht realisiert wurde, weil wir der Stadt Bonn als Entwurfsgruppe etwas zu abenteuerlich schienen.

Zu dem Einfluß der Poparchitektur kommt bei uns eine klassische Designausbildung als Industriedesigner für die Massenproduktion, wie sie als Leitbild der 20er Jahre geboren wurde. Nachdem wir als Studenten durch das Fegefeuer der Haug'schen »Warenästhetik« gegangen waren, sind wir zum Ende des Studiums mit dem Preis »Gute Form« für die Gestaltung einer LKW-Kabine ins Design-Leben entlassen worden.

Die Umwege von einer klassischen Designausbildung über die Architektur in Gestalt der Poparchitektur und wieder ins Design zurück waren die Wechselbäder, die zur Ambivalenz unserer Entwürfe, ihrer Entsprechung in unseren Biographien und zur Gründung der Entwurfsgruppe Kunstflug führten.


Die Entwicklung

Die Entwicklung der Gruppe Kunstflug ist nur vor dem Hintergrund der Designsituation zu Beginn der 80er Jahre zu verstehen. Die elektronischen Medien und die elektronische Produktion begannen für die Vermittlung und für die Produktion andere Kriterien zu entwickeln als die, die für die Printmedien und für die mechanische Produktion gültig waren. Hinzu kamen noch eine Vielzahl anderer politischer und gesellschaftlicher Veränderungen, auf die wir hier sicher nicht eingehen müssen.

Die Vorstellungen der »Poparchitektur« auf das Design zu einem »Popdesign« als Industrie Design zu projizieren, bereitete uns Mühe. Ein Anknüpfen an die Diskussion der Postmoderne in der Architektur schien kaum möglich, da sich Industrie Designer in einem vermeintlichen emanzipatorischen Akt in den 60er Jahren von der Architektur gelöst haben und damit auch von der Geschichte der Architektur abgelöst waren.

Erst das Gemenge aus Poparchitektur, italienischen Einflüssen, erst die Distanz zur traditionellen Massenproduktion ließen zu Beginn der 80er Jahre unser Designfaß überlaufen.


Die Galerie »möbel perdu« in Hamburg und die gleichnamige Ausstellung 1981 im Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg, haben sicher das historische Verdienst, der Kulminationspunkt der Bewegung »Neues Deutsches Design« in dieser Frühzeit gewesen zu sein. In Hamburg brach sich mit neuen Entwürfen ein Kulturverständnis Bahn, das in dieser Weise zum Teil in der Architektur und in der Kunst selbstverständlich war, im Design der Bundesrepublik aber nicht. Der sorgfältig in den Designhochschulen und von den Berufsverbänden geschützte Formenkanon - als Surrogat der frühen Moderne - stand über Nacht zur Disposition.


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