s_fz9_10.jpg

 

form+zweck 910

Kleine Weltlaterne, Art Déco


 

Monika Fecht

L'Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes

 

Seit Mitte der siebziger Jahre veranstalten Museen umfassende Retrospektiven und erweitern ihre Bestände mit sogenanntem Art Déco. Auktionshäuser treiben die Preise in die Höhe, den Antiquitätenhändlern erweist sich Art Déco als würdiger Nachfolger des Jugendstils. Die zahlreichen allgemeinen Publikationen zu diesem Thema erinnern an Warenhauskataloge, zu ihnen gesellt sich eine Reihe monographischer Abhandlungen: Design- und Kunstgeschichtler haben den exklusiven Möbeln Jacques Ruhlmanns, der Schmiedekunst Edgar Brandts und den Paravents von Eileen Gray einen Platz in der Geschichte des Kunstgewerbes geschaffen. Der Terminus Art Déco taucht erstmals 1966 im Untertitel der Ausstellung Les Années 25 auf, die das Musée des Arts Décoratifs in Paris organisierte. Er bezieht sich auf die Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes, die am 28. April 1925 in Paris eröffnet wurde. Die Dokumentation dieser Ausstellung, die gekennzeichnet ist durch eine verwirrende Vielfalt der Exponate und Widersprüchlichkeit der künstlerischen Tendenzen, ist Gegenstand meiner Studie.
Die Arbeit stützt sich hauptsächlich auf Quellenmaterial, dessen größter Teil sich in der Bibliothek des Musée des Arts Décoratifs und im Dokumentenarchiv des Centre Pompidou in Paris befindet, ein kleinerer Teil ist in der Bibliothek des Stedelijkmuseum in Amsterdam. Der Teil über den sowjetischen Pavillon basiert wesentlich auf der Materialsammlung, die Leo Lorez für eine Filmproduktion über Konstantin Melnikov zusammengetragen hat. Das Bildmaterial ist aus französischen Generalkatalog, aus dem Guide Album, einer Sonderpublikation von L'Art vivant und den jeweiligen Länderkatalogen entnommen. Die Übersetzungen der französischen Texte sind von mir.

Internationale Warenausstellungen ermöglichen den Leistungsvergleich der Nationen und erweitern ihre Absatzmärkte. Frankreich verfügt über eine lange Tradition nationaler Ausstellungen. Die Proclamation de la liberté du travail hatte 1791 das Zunftwesen abgeschafft, Gewerbefreiheit und freie Berufswahl beseitigten die feudalen Schranken, denen Handel und Industrie unterlagen. Anläßlich des 10. Jahrestages der Revolution eröffnete am 16. August 1798 die erste öffentliche Ausstellung französischer Industrieprodukte auf dem Marsfeld. Die angebotenen Gebrauchs- und Luxusgüter der Warenausstellung weckten Bedarf und förderten so die nationale Industrie und das Handwerk. Die Regierung erklärte in ihrem Appell an die Aussteller, daß die Industrie eng verbunden bleiben müßte mit Wissenschaft und Kunst.